Bitte nicht vergleichen!

Seit meinem Rückbildungskurs treffen wir uns regelmäßig mit ein paar anderen Müttern und ihren Kindern. Die Kleinen sind alle innerhalb von fünf Wochen geboren worden. Natürlch stellen wir bei unseren Begegnungen fest, dass unsere Kinder sehr unterschiedlich sind, in dem was sie bereits erlernt haben. Wir tun das ohne Bewertung, denn uns ist allen bewusst, dass jedes Kind sein eigenes Tempo bei der Entwicklung hat und sich je nach Temperament auch anders entwickelt.

Männlein ist z.B. ein kleiner Motoriker, der schon mit sechs Monaten krabbeln und mit elf Monaten laufen konnte. Ein anderer kleiner Junge kann schon richtig viele Wörter sprechen und ist auch motorisch sehr fit. Ein kleines Mädchen wirkt so, als ob es schon viel mehr versteht als die anderen und kann schon die runden Bauklötze in das runde Loch stecken und die eckigen in das eckige. Und der letzte im Bunde ist so ein kleiner Buddha, der sich ewig nicht viel bewegt hat und dann eines Tages einfach losgelaufen ist. Er hat einfach alles ganz genau beobachtet und dadurch gelernt.

Was ich sagen möchte ist, dass auch so kleine Kinder genau wie große sehr unterschiedlich sind. Jeder hat seine Spezialbereiche und jeder lernt alles, nur eben im eigenen Tempo.

Was aber sowohl ich als auch meine Mamafreundinnen kennen, sind die anderen Begegnungen. Ich glaube alle Eltern erleben so etwas. Man ist auf einem Spielplatz oder sonst irgendwo und da sind andere Eltern oder Großeltern oder Leute, die irgendetwas mit irgendeinem Kind zu tun haben. Und dann kommen sie, die Vergleiche. Gerne machen das Eltern, deren Kinder etwas schon besonderes früh konnten. Ich gebe zu, mich hat es auch mit Stolz erfüllt, dass das Männlein so ein Beweungskünstler ist. Aber ich bin mir sicher, wenn es nicht so gewesen wäre, wäre ich auf etwas anderes stolz gewesen. Das ist ja schließlich der Job einer Mutter.

Mein wunder Punkt ist immer die Größe und das Gewicht vom Männlein. Inzwischen ist er „normal groß“, aber er ist so ein zarter, dünner Kerl, dass er häufig für ein Mädchen gehalten wird. Ich bin ebenfalls dünn und war es schon als Kind, daher habe ich mir zunächst nicht sehr viele Gedanken dazu gemacht. Wenn aber nun wild fremde Leute mir mitteilen, mein Kind könne ja noch gar nicht das angegebene Alter haben oder indirekt vorwerfen, mein Kind bekäme nicht genug zu essen, dann fühlt sich das schon blöd an. Dieses ewige sich rechtfertigen müssen, für etwas naturgegebenes.

Eine Mamafreundin erzählte, ihre Schwägerin hätte ihr geraten, jeden Tag eine halbe Stunde mit der 15 Monate alten Tochter laufen zu üben, damit das endlich etwas wird. Dabei läuft die Kleine schon sauber an den Möbeln entlang. Es könnte also jeden Tag von ganz alleine Klick machen und sie läuft frei.

Eine andere berichtete, sie hätte zu hören bekommen, es wäre furchtbar, wie ihr Kind isst und dass es nun wirklich Zeit sei, dass es den Umgang mit Löffel und Gabel erlerne. Diese Äußerung kam übrigens nicht von einer alten Frau! Was soll man dazu sagen? Männlein interessiert sich sehr für Besteck, vor allem zum Spielen. Gibt es Essen, lege ich ihm immer Löffel oder Gabel hin, dann probiert er damit herum und manchmal gelingt es (in so einem Fall gibt es eine Applausparty), meist isst er einfach mit den Fingern. Und das ist völlig ok! Hauptsache er isst.

Sogar das Töpfchenthema kam schon auf… Eine Freundin sagte, sie sei tatsächlich gefragt worden, warum sie noch nicht mit dem Töpfchentraining begonnen habe. Ich habe noch nicht einmal darüber nachgedacht. Wir haben ein Töpfchen auf dem Flohmarkt gekauft und das steht im Badezimmer herum. Wann es so weit ist, dass wir mit dem Training beginnen? Keine Ahnung! Ich muss mich da eh erst einmal schlau machen, wie man da vorgeht, aber vom Bauch her würde ich sagen: Auf jeden Fall ohne Druck…

Was mir jedenfalls nach solchen vergleichenden Begegnungen immer kommt, ist ein unangehmer Nachgeschmack und deshalb versuche ich sie zu vermeiden oder aber freundlich und bestimmt zu bleiben. Mein Kind macht das schon noch! Und zwar dann, wenn es so weit ist. Da kann ich drauf vertrauen und das sollten wirklich alle Eltern tun.

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