Arbeiten oder zu Hause bleiben?

Ich ärgere mich, und das sogar sehr. Und zwar darüber, dass ich mich laufend dafür rechtfertigen muss, dass ich als Mutter eines 1,5 jährigen Sohnes 30 Stunden die Woche arbeiten gehe. Was mich daran besonders ärgert? Cristobal muss sich dafür absolut nicht rechtfertigen! Und er arbeitet ja auch 30 Stunden in der Woche.

Sehr häufig werde ich gefragt, warum ich die Elternzeit nicht länger genommen habe, oder nicht wenigstens mit einem kleineren Stundenanteil arbeite. Inzwischen habe ich mir angewöhnt zu sagen, dass es sonst vom Geld her nicht gereicht hätte. Aber eigentlich ist das nur die halbe Wahrheit. Fakt ist, dass ich sehr gerne arbeite. Ich brauche diese andere Herausforderung in meinem Alltag, ansonsten wäre ich schnell frustriert. Am Ende meiner Elternzeit habe ich mich wahnsinnig darauf gefreut, wieder zu meinem Job zurückzukehren. Tatächlich vertrete ich den Standpunkt, dass ich so eine bessere Mutter bin, da ausgeglichener.

Wir haben uns das auch alles super arrangiert. Es ist momentan gar nicht nötig, dass Männlein in eine Fremdbetreuung muss. Wir leben und arbeiten ja in einer sozialtherapeutischen Lebensgemeinschaft. Dadurch, dass Cristobal im Werkbereich und ich im Wohnbereich arbeiten, haben wir versetzte Arbeitszeiten und geben uns quasi die Klinke in die Hand. Weil wir ja beide nur 30 Stunden in der Woche arbeiten, haben wir immer noch genügend gemeinsame Zeit mit und ohne Kind. Und an den zwei Nachmittagen in der Woche, an denen wir es absolut nicht alleine hinbekommen, haben wir den Luxus, den man Oma nennt.

Mir ist klar, dass das ein ungewöhnliches Arrangement ist und dass wir da auch echt Glück haben. Ich habe keine Ahnung, ob ich so viele Stunden arbeiten könnte, wenn Männlein z.B. schon in die Kita gehen müsste. Aber es nervt mich wirklich, wenn Leute mir erzählen, sie könnten nicht verstehen, dass ich so viel arbeite und sie wären ja zwei oder drei Jahre zu Hause geblieben. Letztens habe ich Cristobal gefragt, ob er auch solche Sachen zu hören bekommt. Und welche Überraschung…! Nie musste er sich damit auseinandersetzen. Das ist doch sexistisch! Ich werde ab jetzt damit beginnen Väter in meinem Bekanntenkreis damit zu nerven, warum sie eigentlich nicht länger als zwei Monate (wenn überhaupt) Elternzeit genommen haben. Vielleicht setze ich ja damit einen neuen Trend in Sachen Elternkritisieren.

Furchtbar, dass diese Denke, dass Mütter zu Hause bleiben und sich um ihre Kinder kümmern müssen auch im Jahr 2018 noch so in unserer Gesellschaft vorherrscht. Für mich war meine 12 monatige Elternzeit genau richtig. Männlein und ich haben uns kennengelernt, ich konnte mich in die Rolle als Mutter einleben und Männlein hat sich so gut entwickelt, dass er (trotz stillens) nicht mehr die ganze Zeit an Mama hängen musste. Aber nach den 12 Monaten, brauchte ich wirklich noch etwas anderes außer Kind und Haushalt.

Mir ist es wirklich egal, wer warum und wie lange zu Hause bei dem Kind bleibt. Und es ist mir auch egal, wenn jemand schnell wieder anfängt zu arbeiten. Hauptsache dem Kind geht es gut und es ist gut versorgt. Aber ich wünschte, es würde einfach akzeptiert werden, welchen Weg Mütter und Väter einschlagen. Sicher haben sie ihre Gründe für ihre Entscheidung.

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