Verbündete

Gestern realisierte ich, dass die Beziehung von Männlein und dem Hund Elvis ein neues Stadium erreicht hat.

Ganz zu Beginn, war es noch echt einfach. Männlein war ein kleines wehrloses Baby, dass Elvis einfach nur abschlabbern wollte. Als Männlein dann mobiler wurde und anfing herumzukabbeln und somit auch Elvis verfolgte, da änderte sich das schon. Irgendwie war das dem Hund unheimlich und er suchte sich Plätze, an die Männlein nicht gelangen konnte. Schließlich wollte der ihn ja auch immer streicheln, was noch nicht so ganz gelang und eher ein  Amfellrupfen war.

Mit der Beikosteinführung wurde Männlein dann erst einmal wieder etwas beliebter. Denn ein Kind, dass essen lernt, lässt bekanntlich auch mal was fallen. Elvis Lieblingsplatz während der Mahlzeiten wurde direkt am Hochstuhl. Aufmerksam richtete sein Blick sich auf Männlein und sobald etwas herunterfiel, schnappte er es sich. Interessanterweise frass Elvis so auch Sachen, die er sonst links liegen ließ. Mir war das recht, denn so war das Saubermachen nach dem Essen relativ überschaubar.

Einen kleinen Rückschlag bekam die Beziehungsentwicklung dann, als Männlein anfing zu laufen und zeitgleich auch auf Möbel zu klettern. Elvis war so auf seinem Sofaplatz nicht mehr sicher vor kindlichen Liebesbekundungen. Zum Glückk lernte Männlein in etwa zur gleichen Zeit, dass man dem Hund nicht am Fell herumreißt und wie man „Ei“ macht. Das Streicheln vom Männlein ist somit zwar immer noch unbeholfen, aber immerhin lieb und relativ sanft.

Nun zum neuesten Beziehungsstadium. Wenn wir draußen sind, fordert Elvis Männlein auf, für ihn Kastanien zu werfen!!! Gut die Kastanien landen eigentlich direkt vor Männleins Füßen, sodass nicht wirklich ein Aportiertspiel entsteht, aber die Geste zählt.

Und was die beiden zu Verbündeten macht: Gemeinsam gelingt es ihnen immer wieder mich auszutricksen. Eigentlich bekommt Elvis zwei Mal täglich Futter. Nun ist es so, dass Männlein es liebt den Hund zu füttern und es mehrmals täglich schafft, den Trockenfuttersack zu öffnen und dem Hund Händchenweise Futter zu verabreden. Sind wir in der Küche, richtet sich die Aufmerksamkeit von einem der beiden eigentlich immer auf den Futtersack. Ich lasse das Spiel zu und gebe Elvis dann eben zu seinen geregelten Zeiten weniger oder (wenn Männlein sehr viel gefüttert hat) gar kein Futter. Ich freue mich einfach, dass die Zwei ihren Weg miteinander gehen und hoffentlich noch gute Freunde werden, denn wie ich ja schon vor längerer Zeit geschrieben habe, ist Elvis so gar kein Kinderhund. Alles was in seinen Augen meine Kinder in ein positives Licht rückt ist somit erlaubt. Auch wenn ich manchmal das Gefühl habe ausgetrickst zu werden.

Das Kind ist krank

Männlein hat sich eine Erkältung eingesammelt. Das ist unschön, auch wenn es eben nicht weiter dramatisch ist. Er leidet, hat nachts Fieber bekommen und isst sparsam. Es tut mir leid, dass es ihm nicht gut geht und wie immer, wenn er krank ist, wünschte ich, ich könnte es ihm abnehmen. Gleichzeitig sind wir als Eltern aber auch durch das nächtliche Fieber nicht zum Schlafen gekommen. Männlein hatte Unruhezustände und tat bis zwei Uhr nachts kein Auge zu. Da ist man dann auch als Mutter und Vater am nächsten Tag gerädert. Damit das kranke Männlein sich tagsüber gut aufgehoben fühlt, habe ich meine Arbeit so geschoben, dass ich alles in den Zeiten erledige, in denen Cristobal zu Hause ist. Das hat schon einmal ganz gut geklappt, so muss wenigstens keiner die kostbaren Krankentage für das Kind verwenden. Ein bisschen blöd ist es dann natürlich trotzdem, denn momentan ist weder bei der Arbeit noch zu Hause eine Erholungspause für mich möglich. Und so merke ich, dass auch bei mir der Hals bissel brennt und die Nase juckt und etwas Druck auf den Stirnhöhlen liegt… prima, habe ich mich also bei Männlein angesteckt. Das ist doch der Klassiker. So geht die Seuche dann wohl bei uns reihum. Ich hatte mir doch gewünscht an Stelle von Männlein krank zu sein und nicht mit ihm. Das hatten wir schon mal im Frühjahr, nur dass ich dann auch noch so krank war, dass ich mit Fieber im Bett lag und Cristobal sich krankschreiben lassen musste, damit wir versorgt waren. Bleibt nur zu hoffen, dass es diesmal nicht so dramatisch wird. Am Besten man denkt nicht darüber nach, dann geht es bestimmt an mir vorbei. Und Männlein? Der ist wahrscheinlich morgen oder sogar nach dem Mittagsschläfchen schon wieder fit. Denn das habe ich schon beobachtet, wenn ich mich ein bis zwei Wochen mit einer Erkältung herumschlage, ist es bei ihm nach zwei Tagen schon vorbei.

„Mama“, „Kacka“, „Daaaa!?“

Männleins Wortschatz wächst stetig an. Er kann schon „Shwein“, „Kuh“ und „Katze“ sagen  und noch vieles mehr.

Interessant finde ich eigentlich eher, was er so von sich gibt, wenn er die Worte eben noch nicht kann. Da er immer noch nicht „Papa“, „Oma“ oder „Opa“ sagt, muss „Mama“ eben für alle funktionieren. Inzwischen ist es sogar so, dass Männlein allgemein zu allen Menschen Mama sagt. Schauen wir uns einen Katalog an und da ist ein Baby abgebildet: „Mama!“ Gehen wir spazieren und jemand kommt uns entgegen: „Mama!“ Da bekommt das Wort ganz schön vielfältige Bedeutungen.

Auch „Kacka“ ist sehr beliebt. Natürliich kennt er das Wort durch unseren Gebrauch über seinen Windelinhalt. Für ihn ist „Kacka“ gleichzusetzen mit Pipi, Kacka, Windel, Toilette, Hundehaufen und jegliche Dinge, die in einer gewisse Konsistenz am Boden liegen. Allerdings kommt es auch immer wieder vor, dass er zu Dingen „Kacka“ sagt, die so gar nichts mit Fäkalien zu tun haben. Da bin ich allerdings noch nicht dahinter gekommen, wie er das dann meint. Was mich aber ungemein freut, ist dass er seit einiger Zeit meistens Bescheid gibt, wenn er „Kacka“ (in welcher Form auch immer) in der Windel hat.

Das dritte, universell gebrauchte Wort ist „Daaaa!?“ Und zwar genau in dieser langgezogenen, ausrufezeichigen, fragenden Betonung. Meist so laut gekreicht, dass man Gefahr auf einen Gehörsturz läuft, sollte man gerade das Ohr zu nahe dran haben. „Daaaa!?“ kommt zum Einsatz, wenn Männlein etwas sieht, dass er sehr toll findet (z.B. ein Trecker, Fahrrad, Kuh, Schwein oder der Papa). Dann deutet er mit dem Finger darauf, kreischt „Daaaa!?“ und läuft zielstrebig in die Richtung. Auch wenn wir z.B. ein Bilderbuch anschauen und Männlein möchte, dass ich diverse Tiergeräusche der darin abgebildeten Tiere nachmache, wird das „Daaaa!?“ dringend gebraucht. Die Lautstärke ist dabei steigend. Bin ich vielleicht gerade abgelenkt oder ähnliches, wird es mir immer lauter entgegengeschrien, bis ich endlich „Muh“ oder „Trörö“ oder sonst was mache.

Ich bin begeistert, wie vielfältig und doch sinnvoll Kinder in ihrer Sprachenwicklung Worte verwenden, wenn ihnen die richtigen Begriffe noch nicht geläufig sind. Über Männleins erste Worte habe ich ja schon einmal geschrieben

Erste Worte

 

Nicht leichter, aber anders

Inzwischen ist Männlein 18 Monate alt. Also 1,5 Jahre! Viel hat sich getan. Er kann laufen, rennen, klettern (mit Vorliebe leider), versteht viel mehr und spricht auch schon so einiges. Er ist jetzt ein kleiner Mensch mit ganz eigenen Vorstellungen und wenn ihm etwas nicht in den Kram passt, dann wird gemotzt und wütend aufgestampft.

Mit einer befreundeten Mama, deren Kind ein bisschen älter ist als Männlein, habe ich mich darüber unterhalten, ob nun im zweiten Jahr mit Kind alles leichter ist. Wir finden: Nein!

Natürlich war im ersten Jahr der Einstieg gerade für mich als Erstmama schwer. Ich musste ja ersteinmal lernen, was Mamasein und Leben mit Kind so alles bedeutet. Aber nach dieser Eingewöhnungsphase, hatte ich ein Baby, das glücklich damit war, in der Trage herumgetragen zu werden, das nur Muttermilch als Nahrung wollte und das einmal irgendwo abgelegt einfach dort blieb, statt Schubladen auszuräumen und auf Tische zu klettern.

Das alles änderte sich, als Männlein begann sich fortzubewegen. Zunächst war es noch harmlos, denn er fing mit ca 6 Monaten an rückwärts zu krabbeln. Schlimmstenfalls wurde er dann einfach motzelig, weil er irgendwo an der Wand in der Zimmerecke hängen blieb. Doch sobald er es heraus hatte, vorwärts zu krabbeln fing er auch schon an sich hochzuziehen. Und damit war die ruhige Zeit vorbei.

Männlein war schon immer ein sehr bewegungsfreudiges und vor allem schlafloses Kind. Und das ist jetzt eigentlich genau der Grund, warum ich sage, dass unser zweites Jahr mit ihm absolut nicht leichter ist als das erste. Auch nicht unbedingt schwerer, aber anders. Ich bin irgendwie die ganze Zeit damit beschäftigt hinter ihm herzulaufen. Auf alles steigt er rauf, überall krabbelt er rein und alles probiert er aus. Hänge ich draußen die Wäsche auf, muss ich nach jedem Teil hinter ihm herrennen und ihn von der Straße wegziehen (zwar verkehrsberuhigt, aber trotzdem eine Straße) oder sicher gehen, dass er sich nicht kopfüber in Nachbars Regentonne stürzt. Ich gestehe, dass ich regelmäßig darüber nachdenke Männlein zum Wäscheaufhängen mit der Hundeleine an die Wäschespinne zu binden. Allerdings finde ich den Gedanken nicht ganz sauber.

Im Haus hat Männlein am meisten Freude daran, das Klo zu inspizieren und dort Gegenstände reinzuschmeißen oder auf den Esstisch zu klettern. Hierzu muss ich sagen, dass meine Regel lautet: Es ist verboten auf Tische zu steigen. Egal, was für Tische das sind. Und genau an dieser Regel werde ich höchstwahrscheinlich mein erstes elterliches Totalfrusterlebnis haben. Denn obwohl Männlein genau weiß, was „Nein!“ bedeutet und es in viele anderen Situationen auch akzeptiert, ist ihm das beim auf den Tischsteigen scheißegal. Ich kann gar nicht sagen, wie oft am Tag ich ihn vom Tisch ziehe, „Nein! Der Tisch ist nicht erlaubt!“ sage, ein Grinsen quittiere, mich umdrehe und feststellen muss, dass Männlein schon wieder auf den Tisch steigt. Arrrrgh! Zum Mäusemelken ist das. Aber wie sagt man so schön? Steter Tropfen höhlt den Stein. Ich bleibe also daran.

Ich glaube es ist nach meinen Schilderungen schon klar, warum ich meine, dass es jetzt gerade nicht leicht ist? Und wisst ihr, was mir damit klargeworden ist? Es wird niemals leicht. Egal wie alt das Kind ist, es wird immer irgendeine andere Phase geben, die uns Eltern herausfordert. Aber, was mir wirklich wichtig ist, ich bin trotzdem froh, dass Männlein da ist. Und auch wenn ich in so Wäscheaufhängsituationen oder Tischsteigemomenten manchmal wirklich verzweifelt bin, bisher konnte ich im Nachhinein immer darüber lachen und Witze machen.

Ein Hoch auf die Oma

Seit Männlein 12 Monate alt ist, arbeite ich wieder und zwar 30 Stunden in der Woche. Cristobal hat genauso viele Stunden. Da wir am selben Ort arbeiten und leben, können wir Männlein noch zu Hause betreuen. Nur ganz ohne Hilfe würden wir es nicht hinbekommen. Zum Glück gibt es die Oma… also meine Mama. Die wohnt acht km entfernt und kommt meisten an drei Nachmittagen in der Woche für etwa zwei Stunden.

Das Tolle daran ist, dass meine Mutter mit Männlein spielt und auf ihn aufpasst, aber sich absolut nicht in Sachen einmischt. Sie sagt, sie hat ja mich erzogen (und das hat ihr wohl gereicht). So wie sie mich erzogen hat, dass fand sie für sich gut und richtig und nun vertraut sie darauf, dass sie aus mir einen Menschen gemacht hat, der (in allen Lebenslagen) seine Entscheidungen treffen kann. Natürlich darf ich sie um Rat fragen, aber sie muss mir nicht ständig mitteilen, was sie vielleicht anders machen würde.

In meinem Freundeskreis höre ich da ganz andere Sachen und wurde auch schon Zeugin. Z.B. war ich mit Männlein zu Besuch bei einer Freundin und deren Mutter war gerade da. Beim Essen fand die Mutter (also Oma) es furchtbar, dass unsere Kinder das gleiche bekamen, wie wir… und dann auch noch jeweils eine Gabel in der Hand hatten. Und das war nur eine Beobachtung des Tages. Da war ja noch mehr.

Bei anderen Freunden von mir, ist es wohl so, dass die Großeltern weiter weg wohnen. Wenn sie dann mal zu Besuch kommen, dann gleich für ein paar Tage. So lohnt sich dann ja auch die Fahrt viel mehr. Eigentlich ist das dann auch immer sehr schön, nur dass die Oma  jedes Mal anfängt den kompletten Haushalt zu schmeißen, dass nervt wohl… extrem. Ich meine, ich denke auch oft, wie schön das wäre, jemand zum Aufräumen und Putzen zu haben. Aber eigentlich will ich das bei mir zu Hause so machen, wie ich es mir vorstelle.

Wir haben also wirklich Glück, denn für Männlein und Oma ist es toll so viel Zeit miteinander zu verbringen, ich kann in Ruhe arbeiten und streiten müssen wir auch nicht wegen grenzüberschreitender Einmischungen.

Ich bin da sehr froh, denn die Vorstellung Männlein schon jetzt in den Kindergarten oder zu einer Tagesmutter zu bringen, gefällt mir nur so semi. Anscheinend bin ich eine richtige Glucke. Hoffentlich kann ich dann später mit meinen Kindern auch so loslassen und vertrauen, wie meine Mutter es mit mir kann.

Mamitis

Gerade hatte ich zwei Wochen Urlaub. Zwei Wochen, die ich beinahe rund um die Uhr mit Männlein verbracht habe. Das war schön. Nun ist der Urlaub um und Männlein hat Mamitits.

Die Bezeichnung Mamitis ist eine Erfindung von Cristobal. Entstanden ist sie in einer Phase im letzten Jahr, als Männlein partout nicht von meinem Arm wollte. OK ehrlich gesagt war Männlein im ersten Lebensjahr sowieso nur auf dem Arm glücklich. Aber, es gab Phasen, da wollte er nur bei mir sein und Phasen, da war es egal, wer ihn hochgenommen hat. Hauptsache auf dem Arm.

Jedenfalls sind wir aktuell mal wieder in einer Mamaphase. Zwar muss ich ihn nun nicht mehr immer auf den Arm nehmen, aber wenn ich gehe, weint er. Und wenn Cristobal dran ist, Männlein ins Bett zu bringen, dann weint er sobald er realisiert, dass ich es diesmal nicht mache.

Für mich ist das ein harter Zustand. Ich fühle mich verpflichtet, ihm das zu geben, was er am liebsten möchte… nämlich mich. Gleichzeitig kann ich nicht immer. Denn ich muss manchmal arbeiten und manchmal muss ich auch mal meinen Bedürfnissen nachgehen und Zeit für mich haben.

Inzwischen weiß ich auch, sobald ich mich nach dem Verabschieden entfernt habe und aus dem Blickfeld verschwunden bin, beruhigt Männlein sich wieder und hat Spaß. Das haben mir sowohl Cristobal als auch die Oma bestätigt. Also… tief durchatmen, Tschüß sagen (finde ich ganz wichtig. Ich stelle es mir furchtbar vor ganz klammheimlich zu verschwinden. Wahrscheinlich kann sowas ein Kind echt traumatisieren.) und gehen.

Anfangs konnte ich mich nach solchen Szenen nicht richtig entspannen und mich auf das konzentrieren, was dann so anstand. Das Problem habe ich nun nicht mehr. Und das schöne ist, dass Männlein meist auch gar nicht mehr darauf verfällt zu weinen, wenn ich mich verabschiede. Nur eben, jetzt ganz aktuell wieder. Er hat sich in den zwei Wochen einfach komplett daran gewöhnt die Mama wieder immer dabei zu haben.

Dieses Verhalten wirft bei mir dann immer auch die Frage auf: Ist es eigentlich richtig zu arbeiten und sein Kind nicht immer selbst zu betreuen, bis es ein gewisses Alter erreicht hat? Ich glaube eigentlich, dass drei Jahre zu Hause für das Kind optimal wären. Mich stellt das nur vor zwei Probleme: 1. nicht Können und 2. nicht Wollen. Das nicht Wollen ist natürlich purer Egoismus. Ich arbeite gerne. Es schafft mir einen Ausgleich und dadurch genieße ich auch gleich viel mehr die Zeit mit Männlein. Das nicht Können ist einfach eine Frage des Geldes. Wir können es uns nicht leisten, dass ich nicht arbeite. Natürlich ist es schade, dass wir mit unserem Leben so in diesem System drinstecken. Aber so ist es. Gerne würde ich etwas alternatives machen, bei dem ich mir die Zeit selbst einteilen kann und trotzdem genung Geld damit verdiene, um uns zu versorgen… aber das sind ja Träume.

Somit hilft es nichts. Immer wieder muss ich mich von Männlein verabschieden und  vermutlich auch in der Zukunft noch die ein oder andere Mamitis durchstehen. Ich finde wir haben es gut, denn Dank unserer (eigentlich) ziemlich blöden Arbeitszeiten können wir Männlein zu Hause und nur mit Hilfe der Oma betreuen. Und wenn Männlein älter wird, dann ist Mamitis ja vielleicht auch irgendwann gar kein Thema mehr.

Schlaf Männlein, schlaf

Ach diese Abende… der Tag war voll, man hat die Müdigkeitsgreinze des Kindes längst überschritten. Und nun? Nun findet das Kind einfach nicht in den Schlaf. Welche Eltern kennen das nicht? Man hat das ganze Ritual durchgemacht und nun sitzt man über eine Stunde im Dunkeln und wartet darauf, dass das Kind endlich aufhört herumzuzappeln, sich mit den eigenen Bewegungen immer wieder vom Schlaf abzuhalten, damit es endlich einschläft.

Es ist Abend und du bist ja schon ganz müde, Männlein. Ich habe genau beobachtet, wie du gegähnt hast, du hast dir ans Ohr gefasst und die Äuglein hast du dir auch schon gerieben. Also ab ins Bett, Männlein! Schlaf Männlein, schlaf!

Den ganzen Tag haben wir gespielt, drinnen und draußen. Du hast Sachen ausgeräumt, ich habe sie eingeräumt und dann hast du sie gleich wieder ausgeräumt. Ich habe gekocht und du hast mir zugeschaut und mir so viele kleine Naschereien mit deinem süßen Blick abgeluchst. Du bist hinter dem Hund hergelaufen und ich habe ihn beschützt vor deinen kleinen Händen. Du hast mit der Oma gespielt, damit ich in Ruhe zur Arbeit gehen konnte. Nun bist du zu Recht müde. Also, schlaf Männlein, schlaf!

Ich habe alles abgedunkelt und es ist doch so schön kuschelig hier im Bett. Wir haben alles genau so gemacht wie immer: Schlafzeug anziehen, Zähneputzen, Geschichte lesen, Licht aus und Schlaflied singen. Also, was fehlt denn nun noch? Schlaf Männlein, schlaf!

So gerne möchte ich auch noch ein Stündchen oder zwei für mich haben heute Abend. Etwas machen, was ich nicht machen kann, wenn du wach bist. Versteh´ mich nicht falsch, wir haben ganz viel Spaß zusammen. Aber ich brauche auch ein bisschen Zeit als Erwachsene, um ein Buch zu lesen oder mit Papa zu reden. Nun jetzt aber, Schlaf Männlein, schlaf!

Ich werde ja ganz unruhig, wenn du dich vor lauter Müdigkeit so hin und her wälzt. Jetzt bleib doch mal entspannt liegen! Menschenskind so wird das ja nie was mit dem Einschlafen. Jetzt sitze ich hier schon seit über einer Stunde im Dunkeln und du schläfst immer noch nicht. Jetzt schlaf doch Männlein, schlaf!

Egal… du schläfst ja offensichtlich nicht so bald ein. Ich leg mich jetzt hier mal richtig bequem hin. Das dauert ja wohl noch eine Weile. Mach du mal, was du willst, ich liege hier ganz gemütlich, spreche nicht mit dir, sondern gehe im Dunkeln meinen Gedanken nach. Das ist ja fast so ähnlich wie ein Buch, ein Film, eine Unterhaltung. Lass dir Zeit Männlein, aber schlaf irgendwann, schlaf!

Da werde ich ja auch ganz müde hier, schlafe ich gleich mit ein… hahaha! Naja, dann ist das halt so. Bin ja seit der späten Schwangerschaft eh nur noch müde. Puh wie schwer meine Augen sind… OH! Das Männlein liegt da so ruhig quer über mir und atmet ganz schwer. Jaaaah,  er schläft.

So, jetzt ganz vorsichtig Männlein von mir herunterschieben. Geschafft! Mal gucken… seit 1,5 Stunden hier im Dunkel gesessen. Es ist viertel nach neun. Na das geht ja noch. Langsam, leise aufstehen. Langsam, leise zur Tür schleichen. Da ein lauter Seufzer. Ich drehe mich um… die Augen sind noch zu. Wunderbar schlaf weiter Männlein, schlaf!

Abstillwege

Unser Männlein ist inzwischen 18 Monate alt und immer häufiger werde ich gefragt, wann ich ihn denn nun endlich abstille. Es werden in dem Zusammenhang auch Sorgen um Männleins Psyche geäußert oder, dass ich ihn zu einem Muttersöhnchen erziehe. Eigentlich berührt mich das alles nicht sosehr, da ich es besser weiß. In solchen Gesprächen sage ich einfach, dass wir mitten im Abstillprozess stecken.

Und das stimmt ja auch. Manche Mütter stellen das Stillen abrupt ein und manche schleichen es aus. Im Prinzip fängt das Abstillen doch mit der Beikosteinführung an. Also stillen wir seit ca. einem Jahr ab. So sage ich das allerdings meinen kritischen, besorgten Mitmenschen nicht, da das ja schon auch ein bisschen wie eine Ausrede klingt. Für mich ist das „Langzeitstillen“ derweil einfach kein Thema mehr, über das ich mich mit irgendwem streiten muss. Ich tue es einfach so, wie es mir und Männlein gut tut. Ich denke, wie lange eine Mutter ihr Kind stillt, ist einfach ihre Entscheidung und geht ansonsten niemanden etwas an. Ich kann gerade nicht einmal sagen, ob ich mein nächstes Kind auch so lange Stillen würde. Bei Männlein habe ich es vorher nicht gewusst, es hat sich einfach so ergeben und es ist gut, wie es ist.

Bis vor etwa einem Monat habe ich auch wirklich noch sehr viel gestillt. Allerdings habe ich seit vier/fünf Monaten immer so etwa 10 Tage vor meiner Menstruation so ganz unangenehme Empfindungen beim Stillen. Es ist nicht schmerzhaft, aber es fühlt sich (aus Mangel an passenden Worten) super nervig an. Eine Weile habe ich das einfach ausgehalten und durchgezogen. Aber ich finde jeden Monat zehn Tage mit so einem unangenehmen gestressten Gefühl beim Stillen zu viel. Das war für mich der Punkt, das ich etwas ändern musste an unserer Stillbeziehung. Ganz beenden wollte ich es dann jedoch auch nicht. Denn wenn es vorbei ist, ist es vorbei. Ich habe mir also Gedanken gemacht, wie es für mich einfacher und erträglicher (gerade in der PMS-Zeit) wird. Da Männlein eigentlich ein ausgesprochen guter Esser ist, habe ich mich entschieden, ihn tagsüber nicht mehr zu stillen. Am Anfang war das wirklich nicht so einfach, weil er es gewohnt war, immer und überall an die Bar gelassen zu werden. Ich habe mir überlegt, ihn nur noch im Bett zu stillen  und auf keinen Fall mehr an anderen Orten. Auch bemühe ich mich, mich im Moment z.B. nicht vor Männlein umzuziehen. Denn jedes Mal wenn er meine Brüste sieht, will er ran. Die erste Woche war nicht ganz einfach. Ich habe ihn in der ganzen Zeit vorher so oft auf dem Sofa gestillt, dass ich mich in den ersten Tagen einfach nicht aufs Sofa setzen konnte, ohne bei ihm die Milchlust zu triggern. Inzwischen hat er es aber sehr gut angenommen. Wenn er tagsüber Bedürfnis nach Nähe hat, dann Kuscheln wir halt einfach so. Zum Einschlafen stille ich ihn. Wenn Cristobal Männlein ins Bett bringt, fällt das allerdings auch weg. Meistens ist dann Nachts noch einmal die Brust gefragt und am frühen Morgen. Es klappt prima und auch in den Tagen vor meiner letzten Periode konnte ich es auf diese Weise gut aushalten.

Ich finde wir haben gerade einen ganz entscheidenden nächsten Schritt beim Abstillen gemacht. Wann ich mit dem nächtlichen Stillen aufhöre, darum mache ich mir dann Gedanken, wenn sich das auch nicht mehr richtig anfühlt oder es ergibt sich einfach von ganz allein.

Schubidubidu

Aktuell befinden wir uns wieder in einem Entwicklungsschub. Also, das Männlein befindet sich in einem Entwicklungsschub. Zumindest ist das meine Theorie und ich hoffe, dass ich damit auch richtig liege. Denn andernfalls habe ich keine Erklärung für das intensive Klammern, ständig auf den Arm wollen und wegen jeder Kleinigkeit weinen.

Im ersten Babyjahr hat man ja immer irgendwie gerade irgendeinen Schub, da in der Zeit einfach unglaublich viel passiert. Aber in den letzten Monaten hatten wir Ruhe. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass da einfach kein Schub stattfand oder ob die Schübe in der Zeit einfach nicht so heftig waren. Denn das habe ich auch gelernt: Nicht jeder Entwicklungsschub ist automatisch anstrengend oder überhaupt wahrnehmbar. Manchmal hat das Kind einfach plötzlich ein paar neue Fähigkeiten erlernt.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie schlimm es war, als Männlein mit acht Wochen plötzlich eine Woche dauergeschrien hat. Das war sein erster richtiger Schub. Davor hatte ich noch nie etwas davon gehört und ich war einfach völlig verzweifelt, weil ich nicht begriff, was da mit meinem Kind geschah. Zum Glück gibt es ja Google. So fand ich recht schnell heraus, was Wachstums- oder Entwicklungsschübe bedeuten und dass es im ersten Lebensjahr acht Stück von der Sorte gibt. In den sogenannten Wachstumsschüben entwickeln die Kinder neue Fähigkeiten oder die Sinne schärfen sich. Da Weiterentwicklung ja immer mit Stress verbunden ist, müssen auch die Kleinsten in solchen Phasen ganz besonders weinen und schlecht schlafen. Puh, also nichts schlimmes. Schade, dass sowas einem keiner vorher Mal erzählt. Also konnten wir dann auch das ganze Jahr über beobachten, dass immer wenn Männlein besonders anhänglich und quengelig war und schlecht schlief gerade (laut Google) ein Schub anstand.

Doch nun in der letzten Zeit, da gab es außer ab und an ein paar Beschwerden wegen der Backenzähne nichts weiter zu vermelden; was dazu führte, dass ich ganz vergaß, wie anstrengend so ein Schub für alle ist. Deswegen habe ich mich heute mit meinem dauerweinenden Kind plötzlich wieder in die Anfagszeit zurückversetzt gefühlt. Inzwischen habe ich eigentlich einen guten Instinkt dafür entwickelt, was meinem Männlein gerade fehlt und auch am Weinen kann ich heraushören, ob er Schmerzen hat oder etwas anderes anliegt, aber heute, da konnte ich einfach nicht verstehen, warum Männlein so schlechte Laune hatte. Bis mir das Verhalten irgendwo im Hinterkopf dann doch bekannt vorkam…

Nun habe ich nachgelesen, dass so um die 17/18 Monate herum ein heftiger Schub passiert. In dieser Zeit erlernen die Kinder unter anderem die kognitive Fähigkeit des Systemdenkens. Das bedeutet Männlein lernt nun zu verstehen, dass unser Familiensystem ein anderes ist, als z.B. bei Oma und Opa. Kinder die in diesem Alter schon in die Kita gehen, begreifen nun, dass dort beim Essen andere Regeln herrschen als zu Hause und passen sich jenachdem an. Wenn ich Männlein nun mit zur Arbeit nehme, ist ihm das absolut klar… und auch, dass er dort Mamas Aufmerksamkeit teilen muss, was für ihn bedeutet, er kann dort wunderbar versuchen in die Spülmaschiene zu krabbeln oder ähnliches.

Ich bin sehr gespannt, wie sehr unser Männlein sich nach dem Schub verändert und ich freue mich auf die entspannte Zeit danach. Denn daran kann ich mich aus dem ersten Babyjahr wirklich sehr gut erinnern. Nach jedem Entwicklungssturm kehrte die Entspannung ein.

Der ganz normale Wahnsinn

Aktuell befinden wir uns in der Autonomiephase. Soll heißen, Männlein befindet sich darin und wir werden sozusagen einbezogen.

Früher hieß die Autonomiephase Trotzphase und die Kinder wurden (und werden noch häufig) als bockig bezeichnet. Fakt ist, dass diese Phase nichts mit Trotz zu tun hat, sondern ein notwendiges „Übel“ ist, in der die kleinen Menschen sich als eigenständige Person mit eigenem Willen kennenlernen. Bei Männlein fing es an sich zu äußern, indem er plötzlich wütend aufheulte, wenn er z.B. etwas nicht aus einer Schachtel herausnehmen konnte oder wenn er bemerkte, dass er etwas anderes zu essen hatte als die Erwachsenen.

Dann steigerte es sich nach und nach. Wenn ich ihm die Brust verweigete, weil es in zehn Minuten Mittag gab, heulte er und haute mich. Wenn er etwas haben wollte, das vielleicht zerbrechlich war und ich gab es ihm deshalb nicht…

Heute durfte ich den bisherigen Höhepunkt des Ärgerlichwerdens beiwohnen. Wir waren einkaufen. Diese so alltägliche und leider auch notenwendige Tätigkeit gestaltet sich ja schon seit einigen Monaten als schwierig. Männlein bleibt nicht im Einkaufswagen sitzen, er will laufen. Ich beneide all die anderen Mütter, deren Kinder nicht so einen starken Bewegungsdrang haben und flitze im Laden hinter Männlein her. Wie ich es dabei überhaupt noch gebacken kriege, irgendwelche Einkäufe zusammenzusammeln, ist mir ein Rätsel.

Heute stürmte Männlein zunächst zielstrebig in die Weinecke. Ich natürlich hinterher, um schlimmeres zu verhindern. Als nächstes nutzte er ein kleine Unaufmerksamkeit von mir (ich unterhielt mich mit einer Bekannten) und rupfte die Einweghandschuhe aus dem Spender in der Brotecke. Überall lagen sie auf dem Boden. Verschämt stopfte ich sie zurück in den Spender und dachte, dass das ja nun nicht mehr sehr hygienisch ist. Zum Glück hat es niemand mitbekommen. Danach versuchte ich ihn auf den Arm zu nehmen… während ich mit ihm rang, sammelte ich mit der freien Hand alles im Einkaufswagen zusammen. Es ging nicht so gut, also ließ ich ihn wieder runter. Wundersamerweise folgte er mir recht friedlich Richtung Kasse. Doch zu früh gefreut… er entdeckte beim Obst die Bananen und kreischte: „Nane! Nane!“ So eine Situation hatten wir schon mal in der Vergangenheit. Da hat er die ganze Banane im Einkaufswagen verschmiert. Ich also den Weg von Schlange an Kasse (leider waren viele Leute vor uns dran) zum Obst mit meinen Beinen abgesperrt. Kleines hin und her getanze.. Männlein schlug mir gegen die Beine. Ich war unerbittlich und gab nicht nach, versprach ihm, dass er zu Hause eine Banane bekäme (denn da hatten wir noch reichlich). Das war Männlein egal, er wollte jetzt seinen Willen. Wütend warf er sich zu Boden, schrie und schlug mit den Fäusten. Dabei verlor er die Kopfkontrolle und stieß sich den Kopf. Heulen vor Wut und Schmerz… dicke Beule. Eine Frau fragte mich, ob es nicht leichter gewesen wäre, einfach Bananen zu kaufen. Natürlich wäre es das, aber wir haben zu Hause zig Bananen. Außerdem… ist es richtig nachzugeben, nur damit das Kind ruhig ist? Zumindest und das bestätigte mir die Kassiererin, waren die Leute beim Warten an der Kasse alle gut unterhalten worden. Endlich hatten wir bezahlt, ab zum Auto. Männlein bekam eine kleine Kuschelrunde und eine Knusperstange und zufrieden und etwas erschlagen fuhren wir wieder nach Hause. Vielleicht habe ich ja Glück und kann beim nächsten Einkauf alleine fahren. Das wäre mal eine tolle Mamaauszeit.

Ansonsten? Ja, ich fühle mich bei so einem Wutanfall gestresst! Ich glaube das tut jede Mutter, jeder Vater. Vor allem unter Beobachtung von all den anderen Leuten im Laden. Ich mag trotzdem nicht immer nachgeben, sondern bemühe mich ruhig zu bleiben, zu erklären, warum etwas nicht geht, Männlein z.B. durch in den Armnehmen in seiner Wut beizustehen, nicht zu lachen (manchmal ist es einfach witzig) und es einfach auszusitzen. Dabei hilft mir das Wissen: Auch diese Phase geht vorbei! Irgendwann!