Brut- und Setzzeit

Was für eine unglaublich schöne Jahreszeit, um hochschwanger zu sein und kurz vor der Geburt zu stehen. Um mich herum erblüht und ergrünt alles und erwacht quasi zum Leben. Es ist warm und sonnig, aber nicht heiß bzw. anstrengend für meinen schwangeren Körper… trotzdem würde ich mich freuen, wenn das Menschlein in mir sich nun bald auf den Weg machen würde.

Ich bin in der Schwangerschaftswoche 38+4 angelangt und merke, wie sich nun alles in meinem Beckenbereich auseinanderdrückt. Mein Gang ist eher ein Watscheln und es strengt mich inzwischen wahnsinnig an, den ganzen Tag hinter meinem doch sehr aktiven 2jährigen „her zu rennen“. Ich kann ja nicht mal mehr rennen. Das Ding ist, dass Männlein es extrem lustig findet, wenn ich in Zeitlupentempo hinter ihm her wackele, während er auf irgendetwas zusteuert, wo er auf keinen Fall hin soll. Es ist sozusagen seine neueste Lieblingsbeschäftigung geworden und ich fühle mich oft als Mutter schlecht und unfähig, wenn ich in solch einer Situation laut werde. Auch wenn es doch nur meiner Erschöpfung geschuldet ist.

Ja! Ich bin bereit für die Geburt und für das Wochenbett (das ich diesmal möglich auch als Ruhezeit nutzen möchte). Ich möchte endlich das Menschlein in mir kennen lernen, erfahren, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist… in sein Gesicht gucken, es den ganzen Tag tragen und stillen, Zeitvergessen die kleinen Hände und Füße streicheln und erleben, wie es ist als Familie zu viert zu sein.

Es ist alles vorbereitet: Ich habe die kleinsten Klamotten von Männlein gewaschen und in den Schrank sortiert, den Maxicosi bereitgestellt, alle Dinge für die Hausgeburt zurechtgelegt, den Geburtspool getestet, eine neue Trage gekauft, die Gartenmöbel geschliffen und gestrichen, Steuererklärung und Elterngeldantrag ausgefüllt und den Hund geschoren, damit wir in der ersten Babyzeit keine Gedanken an aufwändige Fellpflege verschwenden müssen. Außerdem räume ich jeden Tag auf und sauge häufig Staub, damit wir uns anfangs nicht um den Haushalt kümmern müssen… auch diverse Mahlzeiten sind in der Tiefkühltruhe eingelagert. Es ist also wirklich alles vorbereitet und das Menschlein ist herzlich willkommen.

Männlein wurde bei 38+6 geboren, das wäre ja in zwei Tagen. Irgendwie habe ich mir in den Kopf gesetzt, dass dieses Kind auch in dieser Zeit kommt. Ob es allerdings Wunschdenken oder Intuition ist, kann ich wirklich nicht sagen. Zumindest habe ich seit einigen Tagen vermehrt Wehen (die leider nur Training für meine Gebärmutter sind) und mein Schleimpfropf ist auch abgegangen… vielleicht tut sich ja bei Vollmond was, der ist ja in drei Tagen… oder dieses Kind wird ein Osterei.

Windel adé

Wir verabschieden uns gerade von Männleins Windelzeit. Irgendwie hatte ich noch gar nicht damit gerechnet, war noch gar nicht dazu bereit. Schließlich ist Männlein erst 25 Monate alt und man liest ja überall, dass Jungen länger brauchen, um „sauber“ zu werden und vor allem Kinder, die keine älteren Geschwister haben, an denen sie sich orientieren können.

Tja nun, das alles hat Männlein offensichtlich nicht gewusst bzw. es hätte ihn vermutlich auch nicht besonders interessiert. Zumindest ist es seit einigen Wochen so, dass Männlein überhaupt keine Lust mehr hat, die Windeln angezogen zu bekommen. Na gut… habe ich mir gedacht und mir am letzten Wochenende mal die Zeit genommen und gegoogelt, ob es so etwas wie einen Windelstreik wohl gibt. Überraschung! Gibt es nicht. Aber ich bin auf dabei auf „Reifezeichen“ für die „Sauberkeitserziehung“ gestoßen.

Dabei muss ich hier kurz festhalten, dass ich von der sogenannten Sauberkeitserziehung und dem Töpfchentraining nicht so furchtbar viel halte. Für mich klingt das so, als ob sich da ein großer Druck aufbaut, der vermutlich dem Kind ein Klotrauma einredet und die Eltern nur stresst. Ich bin mir sicher, das Kinder von ganz alleine wissen, wann sie aufs Klo/Töpfchen können. Dann brauchen sie natürlich Begleitung aber trainieren muss man das nicht. Blasen- und Darmkontrolle sind Fähigkeiten, die man nicht trainieren kann. Männleins Weg zeigt mir, dass ich mit dieser Annahme richtig liege.

Ich fand auch die Liste mit den „Reifezeichen“ irgendwie blöd, weil Männlein einen Großteil davon schon seit geraumer Zeit zeigt, aber sicher noch nicht dazu in der Lage war, seine Ausscheidungen zu kontrollieren. Trotzdem habe ich beschlossen, dass Männlein ab sofort tagsüber zu Hause windelfrei sein darf. Und zu meiner großen Überraschung hat er am Sonntagabend direkt bei unserer ersten Popofreiaktion angekündigt:“Pipi!“ Eigentlich mehr aus Spaß habe ich ihn auf sein Töpfchen gesetzt… und er hat tatsächlich Pipi gemacht. Nun praktizieren wir das ganze seit ein paar Tagen. Sobald wir im Haus sind, kommt die Windel ab. Und ich muss sagen, bisher hatten wir nur einen Unfall bei dem die Pipi auf den Boden ging. Männlein kündigt jedes Mal rechtzeitig an, wenn er muss und er findet es ungemein lustig, wie wir ihn schnell schnappen und aufs Töpfchen setzen. Ich habe ihm Klolektüre ins Bad gelegt und bei jedem erfolgreichen Klobesuch wird applaudiert. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass wenn ich Männlein nun eine Windel anziehen will, weil wir das Haus verlassen, dann gibt es gar keine Probleme mehr. Er geht so gerne raus, dass er sich sogar freiwillig wickeln lässt.

Übrigens stand in der Reifezeichenliste auch, man soll das Kind nicht zur Sauberkeit erziehen, wenn große Veränderungen, wie z.B. ein Geschwisterchen ins Haus stehen oder bla. Das habe ich jetzt ignoriert, denn Männlein signalisiert so klar, dass er keinen Bock mehr auf die Windel hat, dass es mir ziemlich absurd vor käme ihn da weiterhin rein zu zwängen, weil in ca vier Wochen ja sein Geschwisterchen geboren wird.

So sehr mich dieser doch riesige Entwicklungsschritt freut (ich meine, ich bin auch froh nicht zwei Kinder voll wickeln zu müssen), fühle ich mich doch etwas wehmütig. Ein großer Zeitabschnitt von Männleins Leben geht zu Ende und wird sicher nicht wieder kommen. So lästig das Wickeln auch sein kann und das Windeln waschen und aufhängen und zusammenlegen und in den Schrank räumen… es ist ein prägender Lebensabschnitt in dem ich Männlein kennengelernt habe und zur Mutter wurde. Ich werde es also vermissen. Zum Glück fangen wir in ein paar Wochen wieder ganz von Vorne an. Aber zu Männleins Windelzeit sage ich mit einem lachendem und einem weinendem Auge: „Adé!“

Blöde Mama

Männlein ist voll angekommen. In der sogenannten Autonomiephase. Das bedeutet für mich eine besondere Herausforderung, denn ich merke an seinem Verhalten und wie ich darauf reagiere: Ich habe die Autonomiephase nie verlassen!!!

Das war mir bisher nicht bewusst. Auch bei der Arbeit hatte ich schon früher häufig Situationen der Reibung, in denen Leute sich klar absetzen wollten und provoziert haben. Nur da hat mich das nie besonders gestresst oder persönlich betroffen. Ich hatte da in solchen Situationen eine professionelle Distanz, die mich rational reagieren ließ. Diese Distanz fehlt mir im Umgang mit meinem Kind komplett.

Im Alltag sieht das zum Beispiel so aus. Männlein weigert sich seine Klamotten anzuziehen. Er möchte aber gerne raus. Zunächst atme ich tief durch. Versuche reflektiert zu bleiben: „Männlein es ist kalt. Zieh Sachen an, dann können wir raus gehen.“ Männlein ruft „Nein!“ und windet sich. Mit meinem dicken schwangeren Bauch kann ich ihn nicht halten. Will ich eigentlich auch nicht. Es fühlt sich über griffig an. Ich wiederhole mich eine Weile sinnlos immer wieder, werde ignoriert oder einfach nicht gehört. Langsam merke ich, wie meine Fassung flöten geht. Im Hintergrund winselt der Hund. Er hat spitz gekriegt, dass Rausgehen auf dem Plan steht. Das nervt mich noch mehr. Als nächstes fahre ich den Hund an. Das erscheint mir besser als das Kind. Quasi umgeleiteter Stressabbau. Nutzt nur leider gar nichts. Argh!!!!

Jetzt schmeiße ich wütend die Klamotten von Männlein auf den Boden. „Schön, dann gehen wir eben nicht raus! Das hast du jetzt davon.“ Ich stehe auf und gehe ärgerlich ins Wohnzimmer, um ein bisschen Raum zwischen der wütenden Mama und dem wütenden Männlein zu bringen. Der Hund winselt, Männlein schreit: „Mama, MAAAAAMA!? Arm?“ Oje, jetzt hat er meinen Ärger doch abbekommen. Ich gehe zurück, nehme ihn auf den Arm, der Hund winselt immer noch. Wir sind jetzt alle genervt. Am Besten kuscheln Männlein und ich jetzt kurz, dann können wir es ja noch mal versuchen. Männlein schlingt seine Arme um meinen Hals. Wie kann man da noch böse sein? Ich frage: „Willst du raus gehen?“ Männlein ruft begeistert „Raus! Raus!“ „Gut!“ sage ich, „Dann müssen wir erst etwas anziehen!“ Und siehe da, die Atmosphäre ist umgeschlagen, durch das kurze Kuscheln, hat mein Stress sich abgebaut. Männlein lässt sich einfach so anziehen und wir könne raus gehen.

Es gibt zig andere solcher Situationen: beim Essen, Einkaufen, etc. … und eigentlich streikt Männlein nur bei mir. Ich weiß, dass das unglaublich viel mit mir zu tun hat. Bei Cristobal oder der Oma passieren solche Situationen äußerst selten. Bei mir kommt das täglich vor. Es ist, als würde er den Trotz bei mir spüren und spiegeln. Wie furchtbar, dass ich immer wieder darauf einsteige. Aber ich kann einfach nicht aus mir heraus. So werden Männlein und ich uns wohl weiter reiben und versöhnen müssen. Halleluja, ich freue mich auf die Pubertät. Aber bis dahin habe ich ja auch noch ein bisschen Zeit erwachsen zu werden.

Unser zweisprachiges Projekt

Ich habe ja schon vor längerer Zeit Mal darüber geschrieben, dass wir Männlein zweisprachig (deutsch spanisch) erziehen wollen und warum. Inzwischen hat sich da einiges getan. Vorweg muss ich sagen, dass ich in der ganzen Geschichte definitiv den leichteren Part habe. Mit dem Kind deutsch in Deutschland zu sprechen (und das in jeder Situation), ist auf jeden Fall leichter als zwischen Gesprächspartnern und Sprachen hin und herzuswitchen. So halten wir es nämlich… Cristobal spricht immer und in jeder Situation spanisch mit Männlein und ich immer deutsch. Wir haben festgestellt, dass es total verwirrend für das Kind ist, wenn ich plötzlich spanisch mit ihm spreche oder eben Cristobal deutsch. Trotzdem sprechen wir miteinander (auch in Männleins Beisein) deutsch und das ist insofern kein Problem, da Männlein sich dann nicht angesprochen fühlt.

Inzwischen ist Männlein 23 Monate alt und ich würde seine Sprachkenntnisse als solide bezeichnen. Er kann (für uns als Eltern) zusammenhängende Dinge darstellen, klar sagen, was er möchte und was nicht und kennt Namen von diversen Menschen in unserem Umfeld. Und das alles kann er in zwei Sprachen. Er trennt ganz klar, mit wem von uns er gerade spricht. Befinden wir uns beide in einer Situation z.B. am Esstisch und er möchte Brot, so sagt er zu mir:“Brot“ und zu Cristobal „pan“. Auch kann er dem jeweils anderen Erlebnisse berichten. Letztens habe ich Kartoffeln und Gemüsereste vom Vortag mit Zwiebeln und Ei angebraten. Männlein hat mir dabei geholfen, indem er in seinem Lernturm stehend mit einem Buttermesser eine Kartoffel bearbeitet hat. Als Cristobal zum Mittagessen nach Hause kam, hat Männlein ihm ganz genau berichtet, was alles in unserem Essen drin ist.

Die zwei Sprachen scheinen Männlein keine große Mühe zu machen. Kennt er nur das Wort in einer Sprache (er sagt z.B. noch nicht Schuh aber immer zapato), sagen wir immer das entsprechende Wort in der anderen Sprache. Irgendwann bleibt es dann hängen und er sagt es dann auch. Ich sage also nicht das spanische Wort, zeige ihm aber trotzdem, dass ich ihn verstehe und teile ihm das deutsche Wort mit. So hat es schon bei vielen Wörtern geklappt. Manchmal denke ich, ein Kind in diesem Alter hat ein Gehirn wie ein Schwamm. Wenn noch eine dritte Bezugsperson mit einer dritten Sprache mit ihm sprechen würde, wäre auch das vermutlich kein Problem. Eigentlich ist es nur vielleicht ein bisschen schwer für die Eltern (und wie ich anfangs schon sagte… für mich nicht). Cristobal meinte, dass es ihm vor allem anfangs ziemlich schwer fiel, konsequent spanisch zu sprechen. Vor allem dann, wenn andere Menschen dabei sind, die nicht zur Familie oder zum näheren Umkreis gehören. Jetzt hat es sich aber so automatisiert, dass es einfach flutscht und wir sind sicher, dass wir alle davon profitieren. Männlein wächst mit zwei Sprachen auf. Cristobal kann sicher gehen mit seiner Sprache auch ein Stück Kulturidentität weiter zu geben und ich lerne ganz nebenbei endlich auch ein bisschen mehr Spanisch

Verbündete

Gestern realisierte ich, dass die Beziehung von Männlein und dem Hund Elvis ein neues Stadium erreicht hat.

Ganz zu Beginn, war es noch echt einfach. Männlein war ein kleines wehrloses Baby, dass Elvis einfach nur abschlabbern wollte. Als Männlein dann mobiler wurde und anfing herumzukabbeln und somit auch Elvis verfolgte, da änderte sich das schon. Irgendwie war das dem Hund unheimlich und er suchte sich Plätze, an die Männlein nicht gelangen konnte. Schließlich wollte der ihn ja auch immer streicheln, was noch nicht so ganz gelang und eher ein  Amfellrupfen war.

Mit der Beikosteinführung wurde Männlein dann erst einmal wieder etwas beliebter. Denn ein Kind, dass essen lernt, lässt bekanntlich auch mal was fallen. Elvis Lieblingsplatz während der Mahlzeiten wurde direkt am Hochstuhl. Aufmerksam richtete sein Blick sich auf Männlein und sobald etwas herunterfiel, schnappte er es sich. Interessanterweise frass Elvis so auch Sachen, die er sonst links liegen ließ. Mir war das recht, denn so war das Saubermachen nach dem Essen relativ überschaubar.

Einen kleinen Rückschlag bekam die Beziehungsentwicklung dann, als Männlein anfing zu laufen und zeitgleich auch auf Möbel zu klettern. Elvis war so auf seinem Sofaplatz nicht mehr sicher vor kindlichen Liebesbekundungen. Zum Glückk lernte Männlein in etwa zur gleichen Zeit, dass man dem Hund nicht am Fell herumreißt und wie man „Ei“ macht. Das Streicheln vom Männlein ist somit zwar immer noch unbeholfen, aber immerhin lieb und relativ sanft.

Nun zum neuesten Beziehungsstadium. Wenn wir draußen sind, fordert Elvis Männlein auf, für ihn Kastanien zu werfen!!! Gut die Kastanien landen eigentlich direkt vor Männleins Füßen, sodass nicht wirklich ein Aportiertspiel entsteht, aber die Geste zählt.

Und was die beiden zu Verbündeten macht: Gemeinsam gelingt es ihnen immer wieder mich auszutricksen. Eigentlich bekommt Elvis zwei Mal täglich Futter. Nun ist es so, dass Männlein es liebt den Hund zu füttern und es mehrmals täglich schafft, den Trockenfuttersack zu öffnen und dem Hund Händchenweise Futter zu verabreden. Sind wir in der Küche, richtet sich die Aufmerksamkeit von einem der beiden eigentlich immer auf den Futtersack. Ich lasse das Spiel zu und gebe Elvis dann eben zu seinen geregelten Zeiten weniger oder (wenn Männlein sehr viel gefüttert hat) gar kein Futter. Ich freue mich einfach, dass die Zwei ihren Weg miteinander gehen und hoffentlich noch gute Freunde werden, denn wie ich ja schon vor längerer Zeit geschrieben habe, ist Elvis so gar kein Kinderhund. Alles was in seinen Augen meine Kinder in ein positives Licht rückt ist somit erlaubt. Auch wenn ich manchmal das Gefühl habe ausgetrickst zu werden.

Das Kind ist krank

Männlein hat sich eine Erkältung eingesammelt. Das ist unschön, auch wenn es eben nicht weiter dramatisch ist. Er leidet, hat nachts Fieber bekommen und isst sparsam. Es tut mir leid, dass es ihm nicht gut geht und wie immer, wenn er krank ist, wünschte ich, ich könnte es ihm abnehmen. Gleichzeitig sind wir als Eltern aber auch durch das nächtliche Fieber nicht zum Schlafen gekommen. Männlein hatte Unruhezustände und tat bis zwei Uhr nachts kein Auge zu. Da ist man dann auch als Mutter und Vater am nächsten Tag gerädert. Damit das kranke Männlein sich tagsüber gut aufgehoben fühlt, habe ich meine Arbeit so geschoben, dass ich alles in den Zeiten erledige, in denen Cristobal zu Hause ist. Das hat schon einmal ganz gut geklappt, so muss wenigstens keiner die kostbaren Krankentage für das Kind verwenden. Ein bisschen blöd ist es dann natürlich trotzdem, denn momentan ist weder bei der Arbeit noch zu Hause eine Erholungspause für mich möglich. Und so merke ich, dass auch bei mir der Hals bissel brennt und die Nase juckt und etwas Druck auf den Stirnhöhlen liegt… prima, habe ich mich also bei Männlein angesteckt. Das ist doch der Klassiker. So geht die Seuche dann wohl bei uns reihum. Ich hatte mir doch gewünscht an Stelle von Männlein krank zu sein und nicht mit ihm. Das hatten wir schon mal im Frühjahr, nur dass ich dann auch noch so krank war, dass ich mit Fieber im Bett lag und Cristobal sich krankschreiben lassen musste, damit wir versorgt waren. Bleibt nur zu hoffen, dass es diesmal nicht so dramatisch wird. Am Besten man denkt nicht darüber nach, dann geht es bestimmt an mir vorbei. Und Männlein? Der ist wahrscheinlich morgen oder sogar nach dem Mittagsschläfchen schon wieder fit. Denn das habe ich schon beobachtet, wenn ich mich ein bis zwei Wochen mit einer Erkältung herumschlage, ist es bei ihm nach zwei Tagen schon vorbei.

„Mama“, „Kacka“, „Daaaa!?“

Männleins Wortschatz wächst stetig an. Er kann schon „Shwein“, „Kuh“ und „Katze“ sagen  und noch vieles mehr.

Interessant finde ich eigentlich eher, was er so von sich gibt, wenn er die Worte eben noch nicht kann. Da er immer noch nicht „Papa“, „Oma“ oder „Opa“ sagt, muss „Mama“ eben für alle funktionieren. Inzwischen ist es sogar so, dass Männlein allgemein zu allen Menschen Mama sagt. Schauen wir uns einen Katalog an und da ist ein Baby abgebildet: „Mama!“ Gehen wir spazieren und jemand kommt uns entgegen: „Mama!“ Da bekommt das Wort ganz schön vielfältige Bedeutungen.

Auch „Kacka“ ist sehr beliebt. Natürliich kennt er das Wort durch unseren Gebrauch über seinen Windelinhalt. Für ihn ist „Kacka“ gleichzusetzen mit Pipi, Kacka, Windel, Toilette, Hundehaufen und jegliche Dinge, die in einer gewisse Konsistenz am Boden liegen. Allerdings kommt es auch immer wieder vor, dass er zu Dingen „Kacka“ sagt, die so gar nichts mit Fäkalien zu tun haben. Da bin ich allerdings noch nicht dahinter gekommen, wie er das dann meint. Was mich aber ungemein freut, ist dass er seit einiger Zeit meistens Bescheid gibt, wenn er „Kacka“ (in welcher Form auch immer) in der Windel hat.

Das dritte, universell gebrauchte Wort ist „Daaaa!?“ Und zwar genau in dieser langgezogenen, ausrufezeichigen, fragenden Betonung. Meist so laut gekreicht, dass man Gefahr auf einen Gehörsturz läuft, sollte man gerade das Ohr zu nahe dran haben. „Daaaa!?“ kommt zum Einsatz, wenn Männlein etwas sieht, dass er sehr toll findet (z.B. ein Trecker, Fahrrad, Kuh, Schwein oder der Papa). Dann deutet er mit dem Finger darauf, kreischt „Daaaa!?“ und läuft zielstrebig in die Richtung. Auch wenn wir z.B. ein Bilderbuch anschauen und Männlein möchte, dass ich diverse Tiergeräusche der darin abgebildeten Tiere nachmache, wird das „Daaaa!?“ dringend gebraucht. Die Lautstärke ist dabei steigend. Bin ich vielleicht gerade abgelenkt oder ähnliches, wird es mir immer lauter entgegengeschrien, bis ich endlich „Muh“ oder „Trörö“ oder sonst was mache.

Ich bin begeistert, wie vielfältig und doch sinnvoll Kinder in ihrer Sprachenwicklung Worte verwenden, wenn ihnen die richtigen Begriffe noch nicht geläufig sind. Über Männleins erste Worte habe ich ja schon einmal geschrieben

Erste Worte

 

Nicht leichter, aber anders

Inzwischen ist Männlein 18 Monate alt. Also 1,5 Jahre! Viel hat sich getan. Er kann laufen, rennen, klettern (mit Vorliebe leider), versteht viel mehr und spricht auch schon so einiges. Er ist jetzt ein kleiner Mensch mit ganz eigenen Vorstellungen und wenn ihm etwas nicht in den Kram passt, dann wird gemotzt und wütend aufgestampft.

Mit einer befreundeten Mama, deren Kind ein bisschen älter ist als Männlein, habe ich mich darüber unterhalten, ob nun im zweiten Jahr mit Kind alles leichter ist. Wir finden: Nein!

Natürlich war im ersten Jahr der Einstieg gerade für mich als Erstmama schwer. Ich musste ja ersteinmal lernen, was Mamasein und Leben mit Kind so alles bedeutet. Aber nach dieser Eingewöhnungsphase, hatte ich ein Baby, das glücklich damit war, in der Trage herumgetragen zu werden, das nur Muttermilch als Nahrung wollte und das einmal irgendwo abgelegt einfach dort blieb, statt Schubladen auszuräumen und auf Tische zu klettern.

Das alles änderte sich, als Männlein begann sich fortzubewegen. Zunächst war es noch harmlos, denn er fing mit ca 6 Monaten an rückwärts zu krabbeln. Schlimmstenfalls wurde er dann einfach motzelig, weil er irgendwo an der Wand in der Zimmerecke hängen blieb. Doch sobald er es heraus hatte, vorwärts zu krabbeln fing er auch schon an sich hochzuziehen. Und damit war die ruhige Zeit vorbei.

Männlein war schon immer ein sehr bewegungsfreudiges und vor allem schlafloses Kind. Und das ist jetzt eigentlich genau der Grund, warum ich sage, dass unser zweites Jahr mit ihm absolut nicht leichter ist als das erste. Auch nicht unbedingt schwerer, aber anders. Ich bin irgendwie die ganze Zeit damit beschäftigt hinter ihm herzulaufen. Auf alles steigt er rauf, überall krabbelt er rein und alles probiert er aus. Hänge ich draußen die Wäsche auf, muss ich nach jedem Teil hinter ihm herrennen und ihn von der Straße wegziehen (zwar verkehrsberuhigt, aber trotzdem eine Straße) oder sicher gehen, dass er sich nicht kopfüber in Nachbars Regentonne stürzt. Ich gestehe, dass ich regelmäßig darüber nachdenke Männlein zum Wäscheaufhängen mit der Hundeleine an die Wäschespinne zu binden. Allerdings finde ich den Gedanken nicht ganz sauber.

Im Haus hat Männlein am meisten Freude daran, das Klo zu inspizieren und dort Gegenstände reinzuschmeißen oder auf den Esstisch zu klettern. Hierzu muss ich sagen, dass meine Regel lautet: Es ist verboten auf Tische zu steigen. Egal, was für Tische das sind. Und genau an dieser Regel werde ich höchstwahrscheinlich mein erstes elterliches Totalfrusterlebnis haben. Denn obwohl Männlein genau weiß, was „Nein!“ bedeutet und es in viele anderen Situationen auch akzeptiert, ist ihm das beim auf den Tischsteigen scheißegal. Ich kann gar nicht sagen, wie oft am Tag ich ihn vom Tisch ziehe, „Nein! Der Tisch ist nicht erlaubt!“ sage, ein Grinsen quittiere, mich umdrehe und feststellen muss, dass Männlein schon wieder auf den Tisch steigt. Arrrrgh! Zum Mäusemelken ist das. Aber wie sagt man so schön? Steter Tropfen höhlt den Stein. Ich bleibe also daran.

Ich glaube es ist nach meinen Schilderungen schon klar, warum ich meine, dass es jetzt gerade nicht leicht ist? Und wisst ihr, was mir damit klargeworden ist? Es wird niemals leicht. Egal wie alt das Kind ist, es wird immer irgendeine andere Phase geben, die uns Eltern herausfordert. Aber, was mir wirklich wichtig ist, ich bin trotzdem froh, dass Männlein da ist. Und auch wenn ich in so Wäscheaufhängsituationen oder Tischsteigemomenten manchmal wirklich verzweifelt bin, bisher konnte ich im Nachhinein immer darüber lachen und Witze machen.

Ein Hoch auf die Oma

Seit Männlein 12 Monate alt ist, arbeite ich wieder und zwar 30 Stunden in der Woche. Cristobal hat genauso viele Stunden. Da wir am selben Ort arbeiten und leben, können wir Männlein noch zu Hause betreuen. Nur ganz ohne Hilfe würden wir es nicht hinbekommen. Zum Glück gibt es die Oma… also meine Mama. Die wohnt acht km entfernt und kommt meisten an drei Nachmittagen in der Woche für etwa zwei Stunden.

Das Tolle daran ist, dass meine Mutter mit Männlein spielt und auf ihn aufpasst, aber sich absolut nicht in Sachen einmischt. Sie sagt, sie hat ja mich erzogen (und das hat ihr wohl gereicht). So wie sie mich erzogen hat, dass fand sie für sich gut und richtig und nun vertraut sie darauf, dass sie aus mir einen Menschen gemacht hat, der (in allen Lebenslagen) seine Entscheidungen treffen kann. Natürlich darf ich sie um Rat fragen, aber sie muss mir nicht ständig mitteilen, was sie vielleicht anders machen würde.

In meinem Freundeskreis höre ich da ganz andere Sachen und wurde auch schon Zeugin. Z.B. war ich mit Männlein zu Besuch bei einer Freundin und deren Mutter war gerade da. Beim Essen fand die Mutter (also Oma) es furchtbar, dass unsere Kinder das gleiche bekamen, wie wir… und dann auch noch jeweils eine Gabel in der Hand hatten. Und das war nur eine Beobachtung des Tages. Da war ja noch mehr.

Bei anderen Freunden von mir, ist es wohl so, dass die Großeltern weiter weg wohnen. Wenn sie dann mal zu Besuch kommen, dann gleich für ein paar Tage. So lohnt sich dann ja auch die Fahrt viel mehr. Eigentlich ist das dann auch immer sehr schön, nur dass die Oma  jedes Mal anfängt den kompletten Haushalt zu schmeißen, dass nervt wohl… extrem. Ich meine, ich denke auch oft, wie schön das wäre, jemand zum Aufräumen und Putzen zu haben. Aber eigentlich will ich das bei mir zu Hause so machen, wie ich es mir vorstelle.

Wir haben also wirklich Glück, denn für Männlein und Oma ist es toll so viel Zeit miteinander zu verbringen, ich kann in Ruhe arbeiten und streiten müssen wir auch nicht wegen grenzüberschreitender Einmischungen.

Ich bin da sehr froh, denn die Vorstellung Männlein schon jetzt in den Kindergarten oder zu einer Tagesmutter zu bringen, gefällt mir nur so semi. Anscheinend bin ich eine richtige Glucke. Hoffentlich kann ich dann später mit meinen Kindern auch so loslassen und vertrauen, wie meine Mutter es mit mir kann.

Mamitis

Gerade hatte ich zwei Wochen Urlaub. Zwei Wochen, die ich beinahe rund um die Uhr mit Männlein verbracht habe. Das war schön. Nun ist der Urlaub um und Männlein hat Mamitits.

Die Bezeichnung Mamitis ist eine Erfindung von Cristobal. Entstanden ist sie in einer Phase im letzten Jahr, als Männlein partout nicht von meinem Arm wollte. OK ehrlich gesagt war Männlein im ersten Lebensjahr sowieso nur auf dem Arm glücklich. Aber, es gab Phasen, da wollte er nur bei mir sein und Phasen, da war es egal, wer ihn hochgenommen hat. Hauptsache auf dem Arm.

Jedenfalls sind wir aktuell mal wieder in einer Mamaphase. Zwar muss ich ihn nun nicht mehr immer auf den Arm nehmen, aber wenn ich gehe, weint er. Und wenn Cristobal dran ist, Männlein ins Bett zu bringen, dann weint er sobald er realisiert, dass ich es diesmal nicht mache.

Für mich ist das ein harter Zustand. Ich fühle mich verpflichtet, ihm das zu geben, was er am liebsten möchte… nämlich mich. Gleichzeitig kann ich nicht immer. Denn ich muss manchmal arbeiten und manchmal muss ich auch mal meinen Bedürfnissen nachgehen und Zeit für mich haben.

Inzwischen weiß ich auch, sobald ich mich nach dem Verabschieden entfernt habe und aus dem Blickfeld verschwunden bin, beruhigt Männlein sich wieder und hat Spaß. Das haben mir sowohl Cristobal als auch die Oma bestätigt. Also… tief durchatmen, Tschüß sagen (finde ich ganz wichtig. Ich stelle es mir furchtbar vor ganz klammheimlich zu verschwinden. Wahrscheinlich kann sowas ein Kind echt traumatisieren.) und gehen.

Anfangs konnte ich mich nach solchen Szenen nicht richtig entspannen und mich auf das konzentrieren, was dann so anstand. Das Problem habe ich nun nicht mehr. Und das schöne ist, dass Männlein meist auch gar nicht mehr darauf verfällt zu weinen, wenn ich mich verabschiede. Nur eben, jetzt ganz aktuell wieder. Er hat sich in den zwei Wochen einfach komplett daran gewöhnt die Mama wieder immer dabei zu haben.

Dieses Verhalten wirft bei mir dann immer auch die Frage auf: Ist es eigentlich richtig zu arbeiten und sein Kind nicht immer selbst zu betreuen, bis es ein gewisses Alter erreicht hat? Ich glaube eigentlich, dass drei Jahre zu Hause für das Kind optimal wären. Mich stellt das nur vor zwei Probleme: 1. nicht Können und 2. nicht Wollen. Das nicht Wollen ist natürlich purer Egoismus. Ich arbeite gerne. Es schafft mir einen Ausgleich und dadurch genieße ich auch gleich viel mehr die Zeit mit Männlein. Das nicht Können ist einfach eine Frage des Geldes. Wir können es uns nicht leisten, dass ich nicht arbeite. Natürlich ist es schade, dass wir mit unserem Leben so in diesem System drinstecken. Aber so ist es. Gerne würde ich etwas alternatives machen, bei dem ich mir die Zeit selbst einteilen kann und trotzdem genung Geld damit verdiene, um uns zu versorgen… aber das sind ja Träume.

Somit hilft es nichts. Immer wieder muss ich mich von Männlein verabschieden und  vermutlich auch in der Zukunft noch die ein oder andere Mamitis durchstehen. Ich finde wir haben es gut, denn Dank unserer (eigentlich) ziemlich blöden Arbeitszeiten können wir Männlein zu Hause und nur mit Hilfe der Oma betreuen. Und wenn Männlein älter wird, dann ist Mamitis ja vielleicht auch irgendwann gar kein Thema mehr.