Hormon-Monster

Vorsicht Leute: Ich werde zum Tier… und zwar zu einem gefährlichen.

Was ist los? Nun ja, irgendsoeine Mischung aus Schlafmangel und Schwangerschaftshormonen (die im Übrigen auch für den Schlafmangel verantwortlich sind) machen aus mir die übellaunigste, ungeduldigste Version meiner selbst, die mir je untergekommen ist.

Meist fangen die Tage ganz harmlos und friedlich an… doch dann sagt jemand etwas oder tut jemand etwas, dass mich normalerweise nicht im geringsten berührt. Aber!!! Jetzt bringt mich das teilweise unglaublich zur Weißglut. Meine Stimmung schlägt von positiv/neutral um in eine total genervte und ich blaffe (ja wirklich) völlig unschuldige Menschen an.

Privat geht das übrigens alles noch. Männlein scheint meine Triggerpunkte nie zu drücken und Cristobal kennt mich gut genug, um mich einigermaßen friedlich zu stimmen. Bei der Arbeit jedoch… für meine Kollegen und für meine Betreuten kann ich für nichts garantieren.

Was meine Kollegen betrifft, muss ich allerdings sagen, dass ich es ab und zu genieße derartig die Kontrolle zu verlieren. Denn normalerweise bin ich eher jemand, der den Mund hält, wenn ihn etwas ärgert. Das ist mir im Moment einfach nicht möglich und so kommt schon mal die ein oder anderen unbequeme Wahrheit aus meinem Mund, die ich vielleicht schon gerne längst ausgesprochen hätte.

Meine Betreuten tun mir da schon eher Leid. Ich habe ihnen jedoch erklärt, dass ich aufgrund der Schwangerschaft ein bisschen gereizt bin, nicht immer alles so meine, wie ich es sage und dass auch wir Betreuer nur Menschen sind, die Launen haben… meist gelingt es uns ja unsere Launen bei der Arbeit zu beherrschen, aber da wir ja auch nur Menschen sind, kann es schon mal passieren, dass dann doch was durch schlägt. Ich warne meine Leute übrigens vor, wenn ich schon weiß, dass ich schlecht drauf bin. Das halte ich nur für fair.

Hoffentlich gehen meine Stimmungsschwankungen bald vorbei. In der ersten Schwangerschaft hatte ich so etwas nicht. Da war ich einfach ein bisschen hysterischer als sonst und näher am Wasser gebaut.

Schwangerschaftsübelkeit und was dagegen hilft

In dieser Schwangerschaft hatte ich besonders in den ersten drei Monaten mit Übelkeit zu tun. Inzwischen ist sie bis auf eine gelegentliche Übelkeit am Morgen oder bei Überanstrengung verschwunden. Zum Glück, denn das ist wirklich lästig und mit kleinem Kind zu Hause und Beruf, ist das alles noch viel schwerer. Bei mir war es auch so, dass mir nicht jeden Tag übel war. Also mochte ich mich auch nicht krank schreiben lassen, denn ging es mir gut, wollte ich auch arbeiten.

Also habe ich diverse Tricks ausprobiert, die helfen sollen Schwangerschaftsübelkeit erträglicher zu machen.

Als erstes versuchte ich statt drei Mal täglich große Mahlzeiten, mehrer kleinere Snacks einzubauen. Allerdings war das für mich in meinem Alltag nicht sehr praktikabel. Da ich sehr unregelmäßige Arbeitszeiten habe, lässt sich da schwer immer etwas organisieren und planen. Was mir aber tatsächlichetwas half, waren Nüsse, die ich immer dabei hatte und zwischendurch mümmelte. Auf jeden Fall sind die ja sehr gesund und kommen somit Mutter und Baby zu Gute.

Mein zweiter Versuch war Ingwertee. Einfach ein Stückchen Ingwer mit kochendem Wasser aufbrühen und bei Übelkeit Schlückchenweise trinken. Ich mag sehr gerne Ingwertee. Muss aber leider sagen, dass ich nicht den Eindruck hatte, dass es mir etwas half.

Dann bekam ich „Sea Bands“ ausgeliehen. Und die Dinger waren wirklich meine Rettung. Das sind so Armbänder, die man an beiden Handgelenken tragen muss. Sie haben einen Plastikdruckknopf, den man an einen bestimmten Punkt schieben muss. Durch den Druck auf diesen Punkt werden Reize an das Gehirn geleitet, die sagen: „Hallo liebes Gehirn… dieser Frau ist jetzt nich mehr schlecht!“ Und tatsächlich ging es mir mit den Armbändern deutlich besser. So gut, dass ich mich um Kind, Hund, Haushalt und Job kümmern konnte. Übrigens helfen die Armbänder auch bei Seekrankheit und Übelkeit durch Chemotherapie und so weiter. Wirklich empfehlenswert finde ich die Dinger. Zwar hatte ich untergründig immer noch ein flaus Gefühl im Magen, aber wenigstens musste ich mich nicht so quälen.

Was ich aber ganz klar bei all meinen Versuchen festgesstellt habe: Am allerbesten bei Schwangerschaftsübelkeit hilft es, wenn man es schafft sich auszuruhen. Also viel entspannen, schlafen und was weiß ich lesen, Seriengucken… Aber naja, ich glaube, so richtig möglich ist das nur in der ersten Schwangerschaft.

Schwanger 2.0

Männlein ist 19 Monate alt und ich bin wieder schwanger. Inzwischen in der 12. Woche. Ich freue mich unglaublich. Für uns ist es genau so perfekt. Wir hatten uns immer gewünscht, dass unsere Kinder einen nicht sooo großen Altersabstand haben. Natürlich war uns aber auch bewusst, dass Kinderkriegen nicht planbar ist. Umso mehr haben wir uns gefreut, dass es quasi direkt geklappt hat.

Leider musste ich wegen der erneuten Schwangerschaft Männlein dann doch schon abstillen. Es war zum einen einfach so, dass meine Milch weg war. Zum anderen wurde das Anlegen auf einmal wirklich unerträglich. Meine Brustwarzen waren so empfindlich, wie ganz zu Beginn unserer Stillbeziehung. Außerdem hat Cristobal mich auch etwas zum Abstillen gedrängt, da er sich einfach um meine Kräfte sorgte. Jaaaaaaaaaa und ich weiß, es gibt viele Frauen, die in der Schwangerschaft weiterstillen und am Ende ein großes und ein kleines Kind an der Brust haben. Aber Tandemstillen kam für mich sowieso nie in Frage. Ich muss auch sagen, in den ersten Schwangerschaftswochen ging es mir häufig sehr schlecht (Übelkeit, Erschöpfung, Schwindel,…). Ich glaube ich hätte tatsächlich nicht die Energie aufgebracht, Männlein weiterhin nachts zwei bis drei Mal zu stillen. Auf jeden Fall hatten wir, das Glück, dass Männlein seit dem kompletten Abstillen tatsächlich!!! Schlafphasen von bis zu fünf Stunden hat.

Ansonsten geht es mir so, dass ich in dieser Schwangerschaft bisher deutlich entspannter bin als in der ersten. Als ich bei Männlein damals den Test gemacht habe, habe ich quasi sofort einen Termin beim Frauenarzt gemacht. Mit dem Resultat, dass ich bei der ersten Ultraschalluntersuchung eine leere Fruchthöhle zu sehen bekam. Diesmal habe ih fast eine Woche gewartet und mir in Ruhe überlegt, was ich eigentlich will und brauche in dieser Schwangerschaft. Nachdem ich beschlossen hatte, dass ich die Vorsorgeuntersuchungen alle bei der Hebamme machen möchte und maximal drei Ultraschalluntersuchungen beim Frauenarzt, habe ich dann eine Hebamme kontaktiert, die auch Hausgeburten begleitet. Und was soll ich sagen, zum Glück passt es da auch menschlich, denn wenn die Schwangerschaft gut verläuft und nichts dagegen spricht, möchte ich sehr gerne eine Hausgeburt. Beim letzten Mal ging alles so fix, dass ich fürchte, bei der nächsten Geburt nicht mal mehr zum nächstgelegenen Kranenhaus zu kommen (allerdings wäre so eine schnelle Geburt eine echtes Horrorszenario für mich). Es ist schn, die Vorsorgeunteruchungen von der Hebamme machen zu lassen. Gerade Müttern von kleinen Kindern kann ich das nur empfehlen. Sie kommt zu einem nach Hause, hat Zeit und viele Tipps für alle Wehwehchen. Und Blutabnehmen, Blutdruckmessen, Urinproben mitnehmen, Fundusstand,… das kann sie ja alles auch.

Trotzdem sind mir die drei Ultraschalluntersuchungen auch wichtig. Denn ich möchte schon wissen, wenn z.B. das Herz nicht richtig arbeitet. Letzte Woche haben wir einen kleinen Familienausflug zum Ladydoc gemacht und das kleine Geschwisterkind zum ersten Mal besichtigt. Es ist auf jeden Fall alles daran und soweit man es bis jetzt sagen kann ganz fit. Leider musste ich mir dann natürlich doch vom Frauenarzt anhören, dass er von Hebammenvorsorge nichts hält und dass eine Hausgeburt (er hat sofort erraten, dass das mein Wunsch ist) super gefährlich ist. Aber ich gebe da nicht so viel drauf, außer dass es mich nervt. Denn ich weiß, dass er deutlich weniger Geld von der Kasse bekommt, wenn er nur die Ultraschallbilder macht statt der kompletten  Vorsorge. Und für alle Frauen, die sich von ihren Ärzten verunsichert fühlen in Bezug auf die Gefahren von Hausgeburten: In Holland und Groß Britanien wird allen Frauen, mit einer „normalen“ Schwangerschaft wärmstens empfohlen eine Hausgeburt zu machen. So sparen die Krankenkassen Kosten und es ist deutlich sicherer als weite Wege zu Geburtsstationen auf sich zu nehmen (was ja hierzulande leider auch immer mehr wird, da viele Krankenhäuser ihre Kreissääle schließen). In Holland haben sie eine Hausgeburtsrate von 40%. Ich glaube, wenn das wirklich so gefährliches wäre, würden die da sowas sicher nicht machen. In Deutschland ist einfach Schwangerschaft und Geburt viel zu sehr mit Krankheit behaftet.

Work-life.balance im Gemeinschaftsleben

Wir leben ja in einer sozialtherapeutischen Gemeinschaft. Im Klartext bedeutet das: Wir leben in einer Gemeinschaft mit Menschen mit Behinderung und ohne Behinderung. Die Menschen ohne Behinderung begleiten die mit Behinderungen in allen Bereichen, in denen sie Begleitung benötigen.

Es ist nun nicht nur so, dass wir hier leben, sondern Cristobal und ich arbeiten auch hier. Cristobal arbeitet im Werkbereich der Menschen mit Behinderung und ich im Wohnbereich. Dadurch haben wir recht versetzte Arbeitszeiten und können das Männlein im Moment noch wunderbar zu Hause betreuen. In den Zeiten, in denen unsere Arbeitszeiten sich überschneiden, springt meine Mutter gerne ein. Häufig ist es auch möglich, dass ich Männlein mit zu meiner Arbeit nehmen kann.

Und genau das ist für mich der Knackpunkt. Denn, natürlich ist auch Männlein ein Teil des Gemeinschaftslebens, aber für mich ist esjetzt mit unserer kleinen Familie viel wichtiger als früher, den Arbeitsbereich und den Privatbereich nicht zu sehr zu vermischen. Bloß, wie mache ich das nur?

Die Gründe, warum ich einer klaren Linie folgen möchte, sind relativ einfach.

1. Wenn ich Männlein dabei habe, fällt es mir schwer, mich auf die Bedürfnisse der Menschen in meiner Wohngruppe zu konzentrieren und sie dann auch richtig zu begleiten.

2. Ich möchte nicht, dass Männlein die gesammte Gemeinschaft selbstverständlich als sein zu Hause ansieht und sich selbstsicher überall bewegt. Wir leben hier mit Menschen zusammen, die zum Teil eine ganz andere Wahrnehmung von Nähe-Distanz haben und auch davon, was grenzüberschreitend ist. Ich habe einfach Sorge meinem Kind  Situationen auszusetzen, die für niemanden einsehbar sind. Wir haben eine große Wohnung, einen großen Innehof und einen privaten Garten. Das muss als freier Bewegungsraum für Männlein ausreichen, bis er gelernt hat sich selbst zu schützen.

Auf der anderen Seite finde ich es toll, allen auf dem Hof zu ermöglichen an der Entwicklung eines Kindes teilzuhaben. Immerhin lebe ich seit acht Jahren mit diesen Menschen zusammen. Sie haben auch die Schwangerschaft mitbekommen und so ist es natürlich schön, sagen zu können, dass sie auch am Aufwachsen des Kindes teilnehmen.

Es ist ein schmaler Grat, auf dem wir als Eltern nun versuchen, den richtigen Weg zu finden, Männlein zu schützen und doch in der Gemeinschaft zu sein. . Erst gestern hatten wir einen besonderen Tag. Ich habe mit meiner Wohngruppe einen Ausflug ins Wildgatter gemacht und Cristobal ist mit Männlein mitgekommen. Ich habe mich um meine Leute gekümmert und Cristobal um das Kind. Alle hatte Freude daran zusammen mit uns als Familie die Tiere zu sehen. Solche Erlebnisse wünsche ich uns in Zukunft noch oft. Es war klar für alle ein besonderer Tag.

Im Alltag in der Gemeinschaft muss Männlein jedoch einfach lernen, dass es bestimmte Orte gibt, an die er nur in Begleitung seiner Eltern gehen darf. Ich denke allerdings, dass sich da unser Leben in einer sozialtherapeutische Gemeinschaft in dem Punkt auch nicht so furchtbar stark von dem Leben an einem anderen Ort unterscheidet. Auf jeden Fall wollen wir einen Weg finden, Männlein vor bestimmten Gefahren zu schützen, indem wir ihn sensiblisieren. Möglichst ohne ihm Angst zu machen. Ob und vor allem wie wir das hinbekommen, dass werden wir wohl noch sehen.

Die Schuhfrage

Männlein hat mit 13 Monaten wie verrückt angefangen herumzulaufen. Anfangs stellte sich uns noch gar nicht so richtig die Schuhfrage, da er drinnen auf Socken lief und draußen in Lederschlappen. Dann kam im Mai der Sommer und blieb. Die ganze Familie lief Barfuß herum. Wie wunderbar, denn das war für die Füße und den ganzen Körper, der von ihnen getragen wurde, sowieso das Beste.

Doch nun ist es absehbar, dass wir demnächst auf Schuhe zurückgreifen müssen. In vielen Gesprächen mit verschiedensten Leuten, habe ich dazu ganz unterschiedlich Gedanken gehört. Die einen sagen, auf jeden Fall flexibel müssen die Schuhe sein. Sie sollen den Fuß nicht formen. Die anderen sagen, der Schuh muss fest sitzen, damit er dem Fuß Stabilität gibt.

Da ich in meiner Ausbildungszeit mit einer orthopädischen Schuhmacherin zusammen gewohnt habe, weiß ich: Durch Fehlstellungen der Füße könne diverse Fehlstellungen im ganzen Körper auftreten. Sogar Zahnschmerzen kann man durch eine Fehlstellung des Kiefers bekommen, die durch schiefe Füße verursacht ist.

Gerade dieses Wissen zeigt mir, dass die Wahl der ersten Schuhe (und auch aller weiteren) durchaus einen zweiten, dritten und vierten Gedanken Wert ist. Natürlich laufe ich auch immer in irgendwelchen Schuhen herum und habe sogar erst vor kurzem erfahren, dass ich mein ganzes Erwachsenenleben lang von der falschen Schuhgröße ausgegangen bin. Aber, ich weiß ja nun einmal darüber Bescheid, was ich tue und deswegen möchte ich dem Männlein (der es ja nun noch nicht besser weiß) gerne die optimalen Schuhe kaufen.

Ich finde Barfußschuhe ganz prima (und möchte auch für mich ein Paar anschaffen). Allerdings gibt es inzwischen bei Barfußschuhen unglaublich viele Hersteller. Wie kann ich in diesem riesen Angebot die richtigen finden?  Ja ich weiß! Wahrscheinlich ist es total übertrieben, sich sooo viele Gedanken zu machen. Aber wenn ich schon so viel Geld für ein Paar Schuhe ausgebe, dass vieleicht drei Monate passt, dann möchte ich auch, dass sie gut sind!

Meine Wahl sind jedenfalls auf Wildlinge gefallen. Die kann man schnüren, somit sitzen sie fest am Fuß, sind aber (da ja Barfußschuhe) an der Sohle flexibel.

Und wer Sorge hat, dass Männlein nach seinem gesamten „Laufleben“ ohne Schuhe keinen Bock auf solche hat. Den kann ich beruhigen. Männlein liebt, liebt, liebt Schuhe. Zieht man ihm mal ein paar an, stolziert er ganz glücklich durch die Gegend. Außerdem schleppt er seine Schuhe dauernd zum Spielen an.

Am Ende der Anfang

Wenn ich momentan mit Frauen rede, die zum ersten Mal schwanger sind, muss ich immer ein bisschen schmunzeln. Denn da fällt oft der Satz: „Ich bin froh, wenn die Geburt durch ist und ich das endlich hinter mir habe.“

Lustig finde ich das, weil ich das damals auch oft gesagt habe. Natürlich kann es unter anderem auch wirklich sehr anstrengend sein, wenn man hochschwanger ist. ABER, gerade in der ersten Zeit mit Kind, sind viele Sachen noch viel anstrengender (an dieser Stelle möchte ich aber noch hinzufügen, dass man das auch relativ schnell wieder vergisst).

Mir ging es in der Schwangerschaft so, dass ich irgendwie schon auch wusste, dass da am Ende ein Kind kommt, das bleibt und nicht weggeht. Was genau das allerdings bedeutete, war mir überhaupt noch nicht klar. Das kam dann erst nach der Geburt.  Vor allem durch unsere Stillprobleme am Anfang. War ich froh, als Männlein endlich an der Brust saugte und wie groß war meine Verzweiflung, als wir dann ein paar Stunden später wieder die gleichen Probleme hatten. Das Andere, was mich verunsichert hat, war das Gefühl Männlein nicht zu kennen. Im Bauch war er mir so vertraut und nun, wenn ich ihn im Arm hielt, kam er mir völlig fremd vor. Mein Bauch fühlte sich leer an. Noch zwei Wochen nach der Geburt bin ich nachts aufgewacht und habe die Tritte in meine rechte Seite vermisst.

Ich muss sagen, die Schwangerschaft war für mich nicht mit der Geburt zu Ende. Die Geburt war eher so etwas, wie der Höhepunkt. Danach ging es für mich noch so etwa drei Monate weiter. Dann, als Männlein drei Monate alt war, hatte ich mich endlich  mit dem Mamasein arrangiert. Ich habe mich nicht mehr so unsicher gefühlt und Männlein war auch nicht mehr so ein zerbrechliches Vögelchen. Er konnte da seinen Kopf schon selber halten und hat uns angelächelt.  Auch hatte Männlein in der Zeit in den Tag-/Nachtrhythmus gefunden, was mir zum Ausruhen und Schlafen wirklich half. Da fing es also an, dass ich entspannen konnte und die Zeit mit Männlein oft einfach nur genoss. Ich war  angekommen.

Nach drei Monaten hatte ich auch das Gefühl, dass mein Körper so allmählich wieder seine vorherige Stabilität zurückbekam und ich hatte Sicherheit und Routine, was das Stillen anging. Männlein und ich (natürlich auch Cristobal) hatten uns kennen- und verstehen gelernt. So lief es auf jeden Fall deutlich besser als dieses ständige übernächtigte Gefühl der Überforderung.

Nun ist es ja auch so, dass man bei menschlichen Babys von physiologischen Frühgeburten spricht. Von der Entwicklung her, würde es unseren Babys wahrscheinlich ganz gut tun, noch drei Monate länger im Bauch zu bleiben. Allerdings haben wir Menschen uns das mit unserem aufrechten Gang und unseren großen Köpfen versaut. Wir Frauen würden eine Geburt zu einem späteren Zeitpunkt schlichtweg nicht überleben, da dann die Köpfe der Kinder zu groß wären, um durch unsere Becken zu passen. Daher müssen unsere Kinder außerhalb der Mama nachreifen.

Ich weiß nicht, wie es anderen Frauen geht, aber ich hatte das Gefühl, dass auch ich in diesen drei Monaten nachreifen musste, um meiner neuen Lebensaufgabe gerecht zu werden. Somit endete für mich die Schwangerschaft nicht im Februar sondern im Mai. Aber auch danach, kann ich persönlich nicht von einem „Ende“ sprechen. Tatsächlich geht es ja nach der Geburt erst richtig los!

Erste Worte

Unser Männlein spricht schon eine Menge Wörter. Einige sind echte Worte, andere sind seine eigene Sprache. Da wir Männlein zweisprachig erziehen, glauben wir, dass er vielleicht etwas länger braucht, um sprechen zu lernen als andere Kinder.

Männleins erstes Wort, hat er in Chile gesprochen. Mit elf Monaten und es war „iHola!“ Das kam einfach dadurch, dass in Chile die Menschen sehr babyfreundlich sind und laufend “ iHola, bebe!“ rufen. Gerade unser blonder Indianer hatte es den Chilenen sehr angetan. Egal, wo wir waren, jeder sprach Männlein an.

Das zweite Wort war dann „Elvis“. So heißt unser Hund. Wir hatten eigentlich schon damit gerechnet, dass „Elvis“ das erste Wort wird. So waren wir eigentlich nicht besonders überrascht.

Als nächstes kam dann „Mama“. Das hatte er zwar vorher schon oft gesagt, allerdings nicht auf mich gerichtet. „Mama“ sagt Männlein übrigens auch zu Papa und zur Oma. Aktuell, jedes Mal wenn er „Mama“ zu  Cristobal sagt, sagen wir: „Papa!“ Ich glaube Cristobal wird sich unglaublich freuen, wenn er es dann zum ersten Mal aus Männleins Mund hört.

Nach und nach fügten sich dann diverse Tiergeräusche ein. Am Liebsten sagt Männlein „Muh“ und „Oink“. Aber auch Katzen und Hunde stehen hoch im Kurs (inzwischen sind auch nicht mehr alle Hunde „Elvis“ sondern „Wauwauau“).

Eine Zeit lang war „Nein“ das absolute Lieblingswort. Derweil sagt er aber zum Glück auch richtig gerne „Ja“. Vor allem, wenn ihm etwas echt gut gefällt. Da geht mir jede Herz auf.

Neuerdings sagt Männlein auch „Komm“.  Das hat bei ihm allerdings eine viel umfassendere Bedeutung, als einfach nur „Komm“. Er sagt es, wenn er Aufmerksamkeit haben möchte, wenn er Hilfe benötigt, wenn er etwas ausprobiert… und noch in vielen anderen Situationen. Man sieht also, er hat das Wort wirklich erfasst.

Ansonsten hat Männlein noch viele viele Worte, die er sich einfach ausgedacht hat. Es macht wirklich Spaß, wenn wir plötzlich z.B. realisieren, dass „Uauauan“ Schuhe bedeutet. Wir freuen uns über jede Erkenntnis und auch über jedes neue „richtige“ Wort.

Als ich mich mit meiner Mutter über die Sprachentwicklung vom Männlein unterhielt, erzählte sie mir, dass mein erstes Wort „Auch“ war. Damit wollte ich wohl eigentlich „Ich auch!“ sagen. Das kam daher, dass ich einen großen Bruder habe und einfach immer das gleiche haben wollte, wie er.

Seit dieser Unterhaltung frage ich mich, ob die Auswahl der ersten Worte eigentlich etwas über die Persönlichkeit des Kindes aussagt. Denn ich bin ein Mensch, der anscheinend von kleinauf und auch immer noch gerne klar macht, was er will. Vielleicht bedeutet Männleins „iHola!“, dass er besonders kontaktfreudig ist? Das ist er ja wirklich! Er hat bis jetzt nie gefremdelt und flirtet mit jedem. Damit klopft er ja sogar Menschen weich, die eigentlich gar keinen Bock auf kleine Kinder haben. Ich habe mich echt bemüht etwas darüber herauszufinden, aber das ist gar nicht so einfach. Dafür habe ich gelernt, dass die Sprachentwicklung eigentlich ja noch viel früher beginnt als ich so dachte. Im Prinzip schon in der Schwangerschaft. Das erklärt auch, warum Männlein auf Deutsch brabbelt. Denn das sagte Cristobals Schwester: „Männleins Babygebrabbel hört sich an wie deutsch!“

Der After-Baby-Body

Ich weiß nicht, ob es diesen Begriff „After-Baby-Body“ schon früher gab. Mir ist er erst ins Auge gestochen, nachdem ich selbst ein Kind bekommen habe und  mich mit meinem neuen Körper anfreunden musste. Meist taucht der „After-Baby-Body“ in Zusammenhang mit irgendwelchen prominenten Frauen auf, die quasi am Tag nach der Geburt ein Foto von sich im Bikini bei Instagram posten mit der Behauptung, diese Bauchmuskeln wären gleich direkt nach der Schwangerschaft wieder schön straff gewesen. Vielleicht sind es in Wahrheit ja alte Bilder von vor der Schwangerschaft? Jedenfalls erschrecken mich so Kommentare wie: „Jede Frau könnte nach einer Schwangerschaft so aussehen, die meisten sind einfach nur zu faul!“ (natürlich von einem Mann geschrieben).

In der Schwangerschaft und auch bei der Geburt vollbringt der weibliche Körper Höchstleistungen (ich weiß wirklich wovon ich da rede, ich hatte nie zuvor solch einen heftigen Muskelkater wie nach der Geburt). Das könnte vor allem Mann ja auch ersteinmal einfach so anerkennen. Um neues Leben entstehen zu lassen, gerät der Körper der Frau dabei leider hier und da aus den Fugen. Damit meine ich nicht den wunderschönen kugeligen Bauch… ich meine das weiche Bindegewebe, die lockeren Gelenkverbindungen z.B. am Schambein (Aua, Symphesenlockerung!) und die ausgeleierten Schließmuskeln. Jede Frau die mal schwanger war, wird mich darin bestätigen, dass das unkontrollierte Furzen nicht mit der Geburt vorbei ist. Nein! das dauert so lange, bis sich die Beckenbodenmuskulatur zurückgebildet hat. In meinem Fall waren das etwa vier bis sechs Monate nach der Geburt. Meine Frauenärztin hat mir damals übrigens davon abgeraten Sport zu treiben außer natürlich der Rückbildungsgymnastik, so lange meine Beckenbodenmuskulatur noch nicht wieder stark war. Wohl, weil der Beckenboden viel mit der Körperstabilität zu tun hat und dem Halt der Gebärmutter. Das heißt: Diese Frauen, die direkt nach der Geburt an ihrem „After-Baby-Body“ arbeiten, tun ihrem Körper damit vielleicht nicht gerade einen Gefallen.

Viel wichtiger finde ich allerdings, dass meiner Meinung nach die Bindung zum Kind in den ersten Wochen nach der Geburt das Allerwichtigste ist. Ich habe in dieser Zeit eigentlich das Männlein nur getragen und gestillt und getragen und gestillt. Mein Körper war mir in dieser Zeit erst mal voll egal. Ich musste meinen Sohn kennenlernen und ihm zeigen, dass ich immer noch für ihn da bin. Keine Ahnung, wann ich da noch intensiv an meinem „After-Baby-Body“ hätte arbeiten können. Zumal die Nächte damals weniger von schlafen, als eher von weinen und stillen geprägt waren. Das heißt, ich war eigentlich die ganze Zeit fix und fertig. Mein Bedürfnis mich zu stählen fing erst so nach einem halben Jahr an und um ehrlich zu sein, tatsächlich damit angefangen, habe ich nach einem ganzen.

Ich finde es furchtbar, dass es Leute gibt, die junge Mütter als faul bezeichnen, weil sie nicht direkt nach der Geburt anfangen zu trainieren. Was genau ist denn eigentlich die Priorität, wenn man gerade ein Baby bekommen hat? Ein Sixpack zu pflegen oder das Kind? Verdammt noch mal nein… der Großteil der Frauen ist nicht zu faul! Es macht mich richtig fuchsig, dass so ein Körperideal nach einer Schwangerschaft heraufbeschworen wird. Im übrigen muss ich sagen, dass ich richtig Glück habe, denn ich hatte direkt nach der Geburt nur noch zwei Kilos mehr als vor der Schwangerschaft und anscheinend habe ich auch richtig gutes Bindegewebe, denn ich habe überhaupt keine Dehnungsstreifen bekommen. Aber meine Bauchmuskeln und die Stabilität in der Körpermitte waren futsch und sind erst jetzt nach fast 1,5 Jahren wieder richtig da. Außerdem sind diese ganzen körperlichen Veränderungen innerhalb so kurzer Zeit eh nicht so einfach zu verarbeiten. Erst biste schlank, dann siehste die eigenen Füße nicht mehr und schwupp biste wieder schlank und die ganze Zeit bekommste mit wie so ein Mensch in dir drin immer größer wird. Also ich finde diese „After-Baby-Body-Thematik“ beleidigend und völlig fehl am Platz. Wenn eine Frau mit ihrem Körper ein Leben erschaffen hat, warum sollte dann der Zustand ihres Bauchgewebes überhaupt in den Mittelpunkt des Interesses gerückt werden? Liebe #prominente-instagram-muttis-kurz-nach-der-geburt, lasst das sein. Ihr tut unserem Geschlecht damit keinen Gefallen. Liebe anderen Muttis, die sich von solchen Bildern entmutigt fühlen… es ist völlig in Ordnund, wenn man nach einer Schwangerschaft seinen Fokus erst einmal darauf richtet, was es bedeutet, ein Baby zu Hause zu haben und nicht am „After-Baby-Body“ arbeitet.

Interessante Gesprächsthemen

Heute habe ich mich mal wieder erwischt. In einer Unterhaltung mit einer kinderlosen Freundin erzählte ich ihr stolz, dass Männlen inzwischen häufig Bescheid sagt, wenn er die Windel voll hat. Natürlich ist das eine tolle Entwicklung. Die Frage ist halt nur: Ist das wirklich so spannend für andere Leute?

Ich hatte mir einmal vorgenommen, ncht so eine Mutter zu werden, die andere Leute mit dem Windelinhalt ihres Kindes belästigt. Eigentlich wollte ich so eine Mutter werden, die natürlich ihr Kind liebt, sich aber durchaus auch noch über andere Themen unterhalten kann.

Die Grundlage dafür ist auf jeden Fall vorhanden. Ich habe viele Interessen und Lese auch über verschiedenste Themen Artikel. Auch bin ich kulturell sehr interessiert, mag Musik, gute Bücher, gute Filme,… Es besteht für mich also wirklich eine breitgefächerte Auswahl, über was ich so mit den Leuten reden könnte. Manche sind ja sehr erpicht darauf, etwas über Männlein und seinen bisherigen Weg zu erfahren. Da gebe ich gerne Auskunft. Aber all die kinderlosen Leute in meinem Umkreis, die finden das alles vielleicht doch nicht so spannend.

In der Realität sieht es so aus, dass ich mein Vorhaben ncht in die Tat umsetzen kann. Im ersten Babyjahr habe ich wirklich jedem erzählt, was Männlein so in der Windel hatte, wenn er Blähungen hatte, wenn er geschrien hat und ich nicht dahinterkam, warum. Aktuell erzähle ich dauernd davon, wie man als „Langzeitstillende“ teilweise blöd angesprochen wird, von jedem neuen Wort und von jedem neuen Entwicklungsschritt.

Der Grund, warum es mir so schwer fällt, nicht jeden mit meinem Kind vollzuquatschen ist genau so naheliegend, wie einfach: Es ist mitreißend ein Kind zu haben, zu sehen wie es wächst, wie es lernt, wie seine Persönlichkeit sich entwickelt. Alles, was ich vorher in meinem Leben gemacht habe oder was mich sonst so beschäftigt, erscheint mir nicht annähernd so interessant, so wichtig und so besonders.

Daher finde ich es doch völlig in Ordnung, wenn dieses Männlein mein vorrangiges Thema im Leben ist. Irgenwie finde ich es sogar merkwürdig, dass ich früher nicht so eine Mutter sein wollte. Aber das zählt einfach in die Kategorie „Man kann sich eben nicht vorstellen, wie es ist, ein Kind zu haben.“. Auf jeden Fall würde ich mir so etwas nicht noch einmal vornehmen. Ich will mich ja auch nicht völlig aufs Mutter sein beschränken (um Himmels Willen), aber ich denke es ist richtig, wenn das Kind dasWichtigste und Interessantest im Leben eines Elternteils ist.

Ansonsten möchte ich aber alle, die nichts überWindelinhalt und Zahnungsbeschwerden wissen wollen, bitten, mir das einfach mitzuteilen. Wie ja schon oben geschrieben: Ich bin sehr vielseitig und kann über alles Mögliche gute Gespräche führen.

Arbeiten oder zu Hause bleiben?

Ich ärgere mich, und das sogar sehr. Und zwar darüber, dass ich mich laufend dafür rechtfertigen muss, dass ich als Mutter eines 1,5 jährigen Sohnes 30 Stunden die Woche arbeiten gehe. Was mich daran besonders ärgert? Cristobal muss sich dafür absolut nicht rechtfertigen! Und er arbeitet ja auch 30 Stunden in der Woche.

Sehr häufig werde ich gefragt, warum ich die Elternzeit nicht länger genommen habe, oder nicht wenigstens mit einem kleineren Stundenanteil arbeite. Inzwischen habe ich mir angewöhnt zu sagen, dass es sonst vom Geld her nicht gereicht hätte. Aber eigentlich ist das nur die halbe Wahrheit. Fakt ist, dass ich sehr gerne arbeite. Ich brauche diese andere Herausforderung in meinem Alltag, ansonsten wäre ich schnell frustriert. Am Ende meiner Elternzeit habe ich mich wahnsinnig darauf gefreut, wieder zu meinem Job zurückzukehren. Tatächlich vertrete ich den Standpunkt, dass ich so eine bessere Mutter bin, da ausgeglichener.

Wir haben uns das auch alles super arrangiert. Es ist momentan gar nicht nötig, dass Männlein in eine Fremdbetreuung muss. Wir leben und arbeiten ja in einer sozialtherapeutischen Lebensgemeinschaft. Dadurch, dass Cristobal im Werkbereich und ich im Wohnbereich arbeiten, haben wir versetzte Arbeitszeiten und geben uns quasi die Klinke in die Hand. Weil wir ja beide nur 30 Stunden in der Woche arbeiten, haben wir immer noch genügend gemeinsame Zeit mit und ohne Kind. Und an den zwei Nachmittagen in der Woche, an denen wir es absolut nicht alleine hinbekommen, haben wir den Luxus, den man Oma nennt.

Mir ist klar, dass das ein ungewöhnliches Arrangement ist und dass wir da auch echt Glück haben. Ich habe keine Ahnung, ob ich so viele Stunden arbeiten könnte, wenn Männlein z.B. schon in die Kita gehen müsste. Aber es nervt mich wirklich, wenn Leute mir erzählen, sie könnten nicht verstehen, dass ich so viel arbeite und sie wären ja zwei oder drei Jahre zu Hause geblieben. Letztens habe ich Cristobal gefragt, ob er auch solche Sachen zu hören bekommt. Und welche Überraschung…! Nie musste er sich damit auseinandersetzen. Das ist doch sexistisch! Ich werde ab jetzt damit beginnen Väter in meinem Bekanntenkreis damit zu nerven, warum sie eigentlich nicht länger als zwei Monate (wenn überhaupt) Elternzeit genommen haben. Vielleicht setze ich ja damit einen neuen Trend in Sachen Elternkritisieren.

Furchtbar, dass diese Denke, dass Mütter zu Hause bleiben und sich um ihre Kinder kümmern müssen auch im Jahr 2018 noch so in unserer Gesellschaft vorherrscht. Für mich war meine 12 monatige Elternzeit genau richtig. Männlein und ich haben uns kennengelernt, ich konnte mich in die Rolle als Mutter einleben und Männlein hat sich so gut entwickelt, dass er (trotz stillens) nicht mehr die ganze Zeit an Mama hängen musste. Aber nach den 12 Monaten, brauchte ich wirklich noch etwas anderes außer Kind und Haushalt.

Mir ist es wirklich egal, wer warum und wie lange zu Hause bei dem Kind bleibt. Und es ist mir auch egal, wenn jemand schnell wieder anfängt zu arbeiten. Hauptsache dem Kind geht es gut und es ist gut versorgt. Aber ich wünschte, es würde einfach akzeptiert werden, welchen Weg Mütter und Väter einschlagen. Sicher haben sie ihre Gründe für ihre Entscheidung.