Tage wie dieser

Seit ein paar Tagen geht es mir nicht so gut. Ich bin niedergeschlagen und antriebslos. Das liegt am PMS. Vor der Schwangerschaft und der Geburt hatte ich das nicht. Da kannte ich das nur von anderen, dass sie um ihre Periode herum nicht so doll drauf waren. Als es mich das erste Mal einholte, konnte ich das zunächst überhaupt nicht einordnen und hatte schon Sorge, es handelt sich um eine verspätete Wochenbettdepression oder ähnliches. Als der Spuk dann nach ein paar Tagen vorbei war und meine Periode auch, stellte ich den Zusammenhang her. Meine Frauenärztin bestätigte mir, dass es nicht ungewöhnlich ist, dass Frauen nach einer Geburt PMS entwickeln.

Na gut, da muss ich jetzt wohl allmonatlich durch. Aber heute… heute war bisher alles irgendwie blöd… und es ist erst Mittagszeit. Gestern Abend begann meine Monatsblutung und ich freute mich, denn normalerweise bedeutet das, dass ich mich in zwei bis drei Tagen wieder besser fühle. Aber da muss ich erst einmal hinkommen.

Bisher lief heute alles schief. Meine Menstruationstasse ist über Nacht ausgelaufen, der Vormittag zog sich mit vielen kleinen Mißgeschicken elendig hin. Ich hatte unzählige Kleinigkeiten im Haushalt zu erledigen, einschließlich Mittagessen kochen. Das Männlein hatte seine Klammeraffenphase. Er wollte nur auf den Arm, ansonsten war er quengelig und wütend. Und ja, ich verstehe das, denn er bekommt gerade drei Backenzähne zeitgleich. Aber wie um alles in der Welt soll ich denn irgendetwas fertig kriegen, wenn ich Männlein die ganze Zeit im Arm hab?

Schlußendlich nahm ich ihn in die Trage auf den Rücken. Das mache ich eigentlich nicht mehr so gerne, weil er es lustig findet, mir in den Rücken zu beißen… aber ich wußte mir nicht weiter zu helfen. Natürlich biss er dann auch zu. Und Hallo! Etwas neues kam hinzu, er fing an, mir die Haare zu reißen. Argh… Augen zu und durch. Allerdings konnte ich mir ein paar Tränchen nicht verkneifen.

Sobald ich alles geschafft hatte und das Essen fertig war ließ ich ihn wieder herunter und wir kuschelten eine Runde. Das versöhnte mich ein bisschen. Nun macht er seinen Mittagsschlaf und ich genieße die kleine Auszeit. Heute Nachmittag kommt die Oma und ich muss bis 19:00 Uhr arbeiten.

Hoffentlich läuft nichts weiter krumm. In diesen blöden PMS-Phasen nehme ich immer alles so persönlich. Das ist wirklich nicht schön. Manchmal hört man ja gerne von Männern solche Sätze: „Warum bist du denn so schlecht drauf? Hast du deine Tage?“ Früher fand ich sowas zwar nicht lustig, aber es hat mich auch nicht betroffen. Aber jetzt… Ich bin wirklich einmal im Monat „krank“. Ich weiß woran es liegt und ich weiß, dass es nur ein paar Tage andauert, aber das macht es absolut nicht besser. Eigentlich würde ich wahnsinnig gerne genau diese Männer sehen, wie sie mit der Periode, den Krämpfen und den psychischen Problemen jeden Monat klarkämen. Schade, dass das nicht geht.

Alles mit Zucker

Zucker und Kind sind ja für viele ein großes Thema. Ich bin, was Schokolade angeht, selbst ein großer Zuckersuchti und kann so aus erster Hand berichten, wie schwer es ist, dem Genuss zu Widerstehen.

Das klingt ja so ganz lustig, aber bei meiner Arbeit werde ich derzeit tagtäglich damit konfrontriert, was ein zu hoher Zuckerkonsum mit der Gesundheit anstellt. Viele unserer Betreuten haben grenzwärtig hohe Zuckerwerte im Blut und müssen zum Teil bereits Medikamente einnehmen. Natürlich sind da auch noch andere Ernährungssünden und auch mangelnde Bewegung ursächlich, aber es zeigt ja doch deutlich: Der Mensch ist für dieses Übermaß von allem, was Essen in unserer Gesllschaft betrifft, einfach nicht gemacht.

Meine Wahrnehmungen im Arbeitsalltag wirken sich natürlich auch auf unsere Erziehung aus. Zucker soll in unserer alltäglichen Ernährung keine Rolle spielen (da muss ich das Schokithema allerdings auch noch aufgreifen, denn wenn das Männlein schläft, suchte ich). Das Männlein soll Süßigkeiten nicht als etwas „Normales“, das immer zur Verfügung steht betrachten. Wenn wir mal Kuchen oder ein Eis essen, bekommt er auch schon mal etwas ab, aber das ist ja eine Ausnahme und nicht die Regel.

Viele argumentieren ja, dass Kinder, die keine Süßigkeiten kennen lernen, auch nicht lernen den Umgang mit ihnen zu beherrschen. Da bin ich anderer Meinung.

Zucker macht nachgewiesenermaßen süchtig und Zucker ist auch in zig anderen Lebensmitteln enthalten, aus denen man ihn nicht herausschmeckt (Mayonese, viele Brotaufstriche,…). Dem Körper wird also häufig schon unbewusst Zucker zugeführt. Das ist ein riesen Problem für die Gesundheit.

Wir achten sehr darauf, was wir kaufen und machen vieles selbst. Denn so haben wir die Kontrolle über die Inhaltsstoffe. Wenn wir z.B. einen Kuchen backen, verzichten wir auch auf den bösen Industriezucker und nehmen Vollrohrzucker, Kokosblütenzucker oder Agavendicksaft.

Für Kinder und auch für die Eltern, die keine Süßigkeiten mit Zucker bekommen, gibt es viele Alternativen. Entweder man stellt selbst etwas her (da kann man die Kinder übrigens auch prima enbeziehen und verbringt so auch noch gleich etwas Qualitytime uuuund die Kinder lernen dabei sogar etwas über Ernährung) oder man kann inzwischen in allen Bioläden und vielen Supermärkten zuckerfreie Naschalternativen kaufen. Unser Männlein steht total auf Trockenobst. Und ja ich weiß, dass da Fruchtzucker enthalten ist, aber Männlein isst ja nicht zwanzig Datteln auf einmal, sondern nur eine.

Das ist für mich eigentlich sowieso der ausschlaggebende Punkt: Der Umgang mit der Menge. Ich glaube, ein Kind, dass von kleinauf erlebt, dass Süßigkeiten eben nicht zur täglichen Ernährung gehören, entwickelt da eine ganz andere Beziehung zu als ein Kind, das vollgezuckert wird. Zum einen entwickelt es nicht so schnell die Zuckersucht und zum anderen, erlebt es Süßigkeiten vielleicht auch eher als das, wozu sie gedacht sind… als Genussmittel!

Linda

 
Linda ist derzeit mit ihrem zweiten Kind schwanger. Die Geburt steht etwa in drei Wochen an. Linda ist seit vier Jahren mit einer Frau verheiratet. Beide Kinder sind durch eine Samenspende entstanden. In der jetzigen Schwangerschaft hat Linda sich entschlossen, auf die ärztliche Vorsorge zu verzichten und wir ausschließlich von einer Hebamme betreut. Geplant ist eine Hausgeburt, wobei auch eine Alleingeburt in Frage käme.
War die Befruchtung mittels Samenspende kompliziert? Musstet ihr mehrere Versuche machen?
Nein, kompliziert war das an sich gar nicht. Wir haben uns einen privaten Spender übers Internet gesucht, der uns sympathisch war und unsere Werte teilt, uns ein Gesundheitsattest von ihm geben lassen und uns dann, um die Zeit meines Eisprungs, im Hotel getroffen. Dort ist er mit einem Becher ins Bad verschwunden und danach hat meine Frau mich mittels einer Spritze inseminiert. Das lief bei beiden Kindern gleich ab und hat auch bei beiden gleich beim ersten Versuch funktioniert.
Seid ihr als gleichgeschlechtliche Eltern schon auf Vorurteile gestoßen?
Vorurteile gab es bisher Gott sei Dank keine. Klar fragen manche Leute, ob wir keine Angst haben, dass die Kinder mal gehänselt werden… Aber bisher gab es da nie Probleme und unsere Große hat eine starke Persönlichkeit und klärt alle über ihre Mama und Mami auf und dass sie einen Vater hat, den sie noch nicht kennt, aber jederzeit besuchen dürfte.
Was hat dazu geführt, dass du dich gegen eine ärztliche Betreuung in der Schwangerschaft entschieden hast?
Ich wollte mich diesmal ganz gar auf die Natur und mein Gefühl verlassen. Meine erste Schwangerschaft war total unkompliziert und je mehr ich mich belesen habe, desto klarer wurde mir, dass die ganzen Untersuchungen und Vorsorgetermine mehr verunsichern als helfen. Meine Hebamme ist mehr oder weniger nur Gesprächspartner. Ich vertraue meinem Körper und meinem Kind, dass alles gut geht. Dazu kommt, dass wir von möglichen Chromosomenanamalien nichts wissen wollten, da dies für uns absolut keine Konsequenzen gehabt hätte. Statt mich die Schwangerschaft mit Sorgen herum zu quälen, bin ich lieber „guter Hoffnung“.
Wie bereitest du dich auf die eventuelle Alleingeburt vor? Wie steht deine Partnerin dazu?
Ich habe einiges gelesen, z.B. das Buch „Alleingeburt“ von Sarah Schmid. Generell beschäftige ich mich einfach viel damit und spiel es in Gedanken durch. Der Gedanke, die Geburt völlig allein zu meistern, verschafft mir das Gefühl, damit die Traumata meiner ersten Geburt, die mit einigen unnötigen Interventionen ambulant im Krankenhaus statt fand, aufarbeiten zu können. Ich freue mich sehr auf diese Geburt und solange ich mich gut fühle und Vertrauen in meinen Körper habe, versuche ich es allein. Sollte ich Angst bekommen oder Unsicherheit empfinden, rufe ich natürlich meine Hebamme hinzu.
Liebe Linda, ich danke dir für deine Offenheit und wünsche dir eine heilsame Geburt.

Ich wollt, ich wäre mein Hund?

Hallo, ich bin Elvis. Ich bin der Hund von Maria. Mein Leben ist ganz schön durcheinander gekommen. Früher, da hatte ich Maria für mich alleine. Nur ich habe mit ihr im Bett geschlafen und sie hat jeden Tag gaaaaanz lange Spaziergänge mit mir gemacht. Das war schön. Sie hat mich auch mit auf Reisen genommen… Jetzt muss ich immer bei Mama und Papa und ihrem Hund bleiben.

Jetzt sind da noch Cristobal und der kleine Stinker. Und mit dem kleinen Stinker sind jetzt vor allem die Spaziergänge richtig langweilig geworden. Eigentlich stehen wir da immer nur rum und gucken zu, wie der Stinker schon wieder einen Stein entdeckt und in den Mund stopft, oder irgendwo einen Ast abreißt. Laaaaaangweilig! Maria sagt dann immer, dass wir Spazieren stehen und dann lächelt sie. Ich weiß nicht, was daran lustig ist.

Neuerdings will der Stinker auch noch immer meine Leine halten und dann grabscht er mir ins Fell.  Zum Glück ist das ja eine Flexileine, da kann ich dann immer auf Abstand gehen. Heute ist der kleine Stinker dabei hingefallen und hat ganz ärgerlich geheult. Das kann ich ja nun auch wieder nicht hören. Da bin ich schnell hin und hab´ ihn abgeschlabbert. Zack, schon hat er wieder gelacht. Ich weiß eben, wie man den kleinen Stinker händeln muss. Maria macht da immer so viel Trara. Die nimmt ihn auf dem Arm und pustet und so ein Quatsch. Was das wohl nützen soll?

Nachdem der Stinker wieder fröhlich war, konnten wir dann zum Glück noch mal zehn Meter weiter gehen. Dann ist er ins Kartoffelacker gerannt. Zum Glück war da eine Markierung von der läufigen Hündin und ich konnte in Ruhe schnüffeln. Aber was war da? Maria zieht an der Leine und ruft. Der kleine Stinker hat beschlossen weiter zu laufen. Na toll immer, wenn ich mal stehen bleiben will. Da nimmt dann wieder keiner Rücksticht.

Und es kam auch wieder, was kommen musste… der Stinker war so schnell unterwegs, dass es ihn hingeflackt hat. Maria wollte dann natürlich ihren Hokuspokus veranstalten, aber ich bin schnell dazwischen und hab den abgeleckt. Da war dann auch wieder alles gut. Wir sind dann noch so ein bisschen weiter rumgestanden und weitergegangen und wieder rumgestanden, aber dann sind wir nach Hause und der kleine Stinker hat geschlafen.

So mag ich ihn ja richtig gerne. Wenn er schläft, da leg ich mich gerne dazu. Leider darf ich grad nicht ins Bett, weil ich letzte Woche Flöhe hatte und Maria die nur mit so nem Ökokram wegmachen wollte. Jetzt meint sie, wir müssen noch abwarten, dass sie wirklich weg sind. Ach Menno, ich mag nicht alleine im Körbchen schlafen, wenn die alle im Bett liegen…

Als der Stinker aufgewacht ist wollte er spielen. Mit meinem Ball! Ich dachte, wir können zusammen spielen, weil das ja mein Ball ist. Aber er kann das nicht. Maria sagt, das klappt besser, wenn er größer ist. Ich weiß nicht, was das heißen soll, aber ich freue mich da schon drauf.

Junge oder Mädchen?

Heute ist es wieder passiert. Beim Einkaufen in der Schlange an der Kasse sprach mich eine ältere Dame an: „Die ist ja niedlich ihre Kleine. Wie alt ist sie denn?“ Ich antwortete: „Danke, ER ist jetzt 16 Monate.“ Und wie immer in solchen Situationen rechtfertigte die Dame sich für ihren Irrtum. „Das sieht man gar nicht, wegen der roten Hose. Und er hat ja auch so lange Haare.“ Um das Gespräch abzukürzen und auch um die Dame zu beruhigen, behauptete ich, Männlein trage die Kleidung seiner großen Schwester auf. Die existiert ja gar nicht, aber für so was haben die Leute dann immer Verständnis.

Männlein wird häufig für ein Mädchen gehalten. Er ist sehr zart gebaut, hat große dunkle Augen mit langen dichten Wimpern (die er übrigens von seinem Vater hat… leider nicht von mir) und inzwischen hat er doch auch recht lange Haare.

Die Haare wollen wir ihm auch lassen, bis wir ihm erklären können, was mit ihm geschieht, wenn sie geschnitten werden. Und wenn das bedeutet, dass wir ihm einen Zopf machen müssen, dann ist das so. Meinem Bruder hat mal eine Friseurin ins Ohr geschnitten, weil er vor lauter Panik nicht still halten konnte. Ich finde das müssen wir nicht wiederholen. Bis jetzt habe ich Männlein nur den Pony etwas gekürzt, da ihm die Haare immer in den Augen fielen. Das war schon schwer genug und es tat mir auch ein bisschen weh.

Auch Männleins Kleidung gibt nicht unbedingt einen Anhaltspunkt auf sein Geschlecht. Wir haben die meisten Sachen „geerbt“ oder gebraucht auf Kinderbörsen erstanden. Bei der Auswahl achten wir darauf, dass uns die Sachen gefallen. Alles andere ist eigentlich egal. Natürlich ziehen wir ihm keine Klamotten mit Rüschchen und Herzchen an. Das würden wir aber auch nicht machen, wenn Männlein ein Mädchen wäre. Irgendwie ist es uns wichtig, ein Baby/Kleinkind noch nicht so stark zu „sexualisieren“. Sprich erlaubt ist, was gefällt und das Männlein kann dann ja selbst entscheiden, wenn er so weit ist und er das möchte. Die rote Hose, die die Dame so verunsichert hat, empfanden wir übrigens als total neutral. Wir finden einfach bunte, farbige Sachen toll für Kinder. Ich trage ja auch sehr gerne blaue Kleidung. Und das obwohl ich eine Frau bin.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich bei Babys und Kleinkindern so gut wie immer richtig liege, wenn es darum geht das Geschlecht zu erkennen. Ich sehe das nämlich an Händen und Füßen. Die sind bei Jungen größer als bei Mädchen. Männlein hat richtige Quadratlatschen.

So wie man sich bettet…

Aktuell schlafen wir zu dritt auf einer 1,40 Meter breiten Matratze auf Lattenrost am Boden. Eigentlich hatte ich mal den Plan, das Männlein mit ca. einem Jahr aus unserem Schlafzimmer auszulagern und ihn im Kinderzimmer schlafen zu lassen. Das war allerdings vor der Geburt. Zu einem Zeitpunkt, an dem ich dachte, dass ich nach sechs Monaten abstille. Damals dachte ich, dass ein Kind mit einem Jahr sicher schon durch schläft und ich hatte auch die Illusion, dass ein Kind von alleine wieder einschläft, wenn es wach wird. Meine Güte, wie naiv ich doch war.

Als wir nur zu zweit waren, hat ein 1,40er Bett uns völlig ausgereicht. Wir hatten sogar lange Zeit nur eine Bettdecke. Kurz vor der Geburt haben wir ein Kinderbettchen gekauft, dass mit seiner offenen Seite an unser Bett heran gestellt wurde.

In der ersten Zeit mit Männlein schlief er auf meinem Bauch. Das hat mich beruhigt, da ich so am Besten seiner Atmung lauschen konnte. Außerdem habe ich es genossen, seinen kleinen warmen Körper an mich gekuschelt zu fühlen (und ich genieße es noch immer). Es gab ein paar halbherzige Versuche Männlein in das Beistellbett zu legen. Die scheiterten dann aber daran, dass er nachts häufig gestillt werden wollte. Es war soviel einfacher für mich, wenn er einfach in meiner Armbeuge schlief und ich zum Stillen eigentlich nicht mal richtig aufwachen musste. Das Beistellbett wurde mitlerweile zur Ablage umfunktioniert.

Inzwischen ist Männlein allerdings doch um einiges gewachsen. Und leider bevorzugt er es, sich nachts quer zwischen uns zu legen. Ich habe noch Glück, denn auf meiner Seite liegt immer sein Kopf. Zu Cristobal hin zeigen die Füße und nicht selten wird er von  Männlein getreten. Erst letzte Nacht hat Männlein ihn durch Tritte aus dem Bett heraus bugsiert.

Trotzdem ist das Ende des Familienbettes bis jetzt noch kein Thema für uns. Ich bin momentan so froh, dass die Nächte ruhiger geworden sind und Männlein bis zu sechs Stunden durch schläft. Da mache ich mir Gedanken, dass Männlein wieder häufiger wach wird, wenn er allein in seinem Bett schläft.

Ein Umzug ins Kinderzimmer kommt auch noch gar nicht in Frage. Unsere Wohnung ist groß und das Kinderzimmer weit vom Elternzimmer entfernt. Nein, wir wollen unser Matratzenlager nun erweitern. Eine zweite Matratze auf einem Lattenrost soll dazu gelegt werden… das Beistellbett kann schon mal allein ins Kinderzimmer umziehen.

Männleins Geburt

Zu Beginn meiner Schwangerschaft haben wir uns erst einmal gar nicht mit der  Geburt auseinander gesetzt. Wir mussten einfach zunächst den Fakt verarbeiten, dass da ein Baby unterwegs war. Irgendwann so in der 16. Schwangerschaftswoche fragte uns die Hebamme, wo wir eigentlich entbinden wollten. Cristobal wollte nicht ins Krankenhaus und mir schwebte auch etwas heimiligeres vor. Eine Hausgeburt kam allerdings nicht in Frage, da wir erst kurz vor der Geburt umzogen und ich definitv nicht zwischen Umzugkartons entbinden wollte. So fragten wir im Geburtshaus an und hatten Glück, denn zu dem Zeitraum von Männleins Geburt hatten sie noch Platz für uns.

Im Verlaufe der weiteren Geburtsvorbereitungen entwickelte ich ein Bild, wie es ablaufen sollte. Ich wollte die Geburtsarbeit alleine leisten. Die Hebamme und Cristobal sollten nur dabei sein. Ich wollte in der Wanne oder auf dem Geburtshocker entbinden. Auf keinen Fall wollte ich auf dem Rücken liegen und auf gar keinen Fall wollte ich kristellert werden (dabei drückt jemand mit seinem Geicht während der Presswehe auf den Bauch, um so das Kind herauszudrücken)

Im Endeffekt war alles ganz anders als gewünscht. Cristobal hatte Freunde für das Wochenende eingeladen. Da wusste ich, an diesem Wochenende kommt unser Kind. Die ganze Woche hatte ich schon Senkwehen. Am Freitag besuchte mich meine Hebamme. Sie untersuchte mich und verkündete, dass der Gebärmuttehals schon ganz glatt sei. Wie schön, dachte ich, dann geht es ja bald los. In der Nacht von Freitag auf Samstag konnte ich nicht schlafen, weil ich furchtbar aufgeregt war. Die Wehen kamen regelmäßig, waren aber nicht schmerzhaft. Am morgen frühstückten wir und waren uns unschlüssig, auf jeden Fall sagten wir unseren Besuchern ab. Ich hatte das Gefühl, dass es  noch nicht so weit war, denn die Wehen kamen zwar alle drei Minuten, waren aber immer noch nicht schmerzhaft. Cristobal wollte trotzdem ins Geburtshaus fahren. Wir machten uns also auf den Weg. Als wir dort gegen 13 Uhr ankamen, waren die Wehen weg. Ich kam mir blöd vor. Eine kurze Untersuchung ergab, dass der Muttermund drei Zentimeter geöffnet war. Die Hebamme schickte uns spazieren, um die Wehen wieder in Gang zu bringen. Das half nichts und wir verbrachten den Nachmittag damit, die Wehen wieder anzukurbeln. Ich lag in der Badewanne bis ich schrumpelig wurde, trank  so ein Magnesiumgebräu und als Höhepunkt bekam ich einen Einlauf (eine Erfahrung, auf die ich sehr gerne verzichtet hätte). Nichts funktionierte und abends um neun stellte die Hebamme uns vor die Wahl: Nach Hause fahren oder im Geburtshaus schlafen. Zum Glück entschieden wir uns für letzteres. Denn gegen 12 Uhr wachte ich von einer gewaltigen Wehe auf. Die tat weh. Es ging richtig los! Die Wehen überrollten mich. Es war sofort so heftig, dass ich gar nicht mehr sprechen konnte. Cristobal rief die Hebamme an, da ich dazu gar nicht mehr in der Lage war. Ich hielt mich an einem Tuch fest und versuchte so zu veratmen, wie ich es gelernt hatte. Die Hebamme setzte mich wieder in die Badewanne. Das war deutlich besser auszuhalten. Allerdings folgten die Wehen so dicht aufeinander, dass ich kaum noch etwas um mich herum wahrnahm. Innerhalb von 1,5 Stunden öffnete sich der Muttermund von drei Zentimern komplett auf 10. Schon begann der Pressdrang. Die Hebamme untersuchte Männleins Herztöne und stellte fest, dass sie schwächer geworden waren. Ich sollte aus der Wanne raus. Kugelig und unbeweglich wie ich war, kletterte ich zwischen zwei Presswehen aus der Wanne. Das war hart und ich erinnerte mich, dass die Hebamme beim Kennenlernen erzählt hatte, die meisten Kinder würden dort beim Aussteigen aus der Wanne geboren… meins leider nicht. Ich sollte mich auf der Seite ins Bett legen und pressen so gut ich konnte. Meine Fruchtblase platzte und einen kurzen Moment dachte ich, mein Kind wäre aus der Vagina geschossen. Wieder wurden die Herztöne gemessen. Die Hebamme sagte, wenn er bei der nächsten Wehe nicht herauskommt, muss sie einen Krankenwagen rufen. Ich hörte sie, verstand es aber nicht. Auch bei der nächsten Presswehe wurde kein Kind geboren. Ich sollte nicht mehr aktiv mitpressen und versuchen den Pressdrang zu veratmen. Der Krankenwagen kam und packte mich ein. Die Hebamme steckte mir irgendwelche Globulis in den Mund, zur Beruhigung. Die Fahrt war wahrscheinlich das Härteste, was ich je gemacht habe. Jede Minute kam eine Presswehe. Der Drang mitzupressen war unbeschreiblich. Aber ich durfte nicht. Ich musste in den Bauch atmen zu meinem Kind. Im Krankenhaus angekommen hieß es, alle Kreissääle wären belegt und wir sollten in den Warteraum. Zum Glück klärte meine Hebamme das, denn lange hätte ich nicht mehr durchgehalten. Die Herztöne des Männleins hatten sich inzwischen stabilisiert und auch Cristobal war wieder da. Ich habe keine Ahnung, wie er ins Krankenhaus gekommen ist. Im Rettungswagen war er jedenfalls nicht und mit unserem Auto ist er auch nicht gefahren. Im Kreissaal angekommen stieg ich in ein Bett um und durfte endlich weiter machen. Zunächst war ich im Vierfüßlerstand, aber da Männleins Köpfchen bei jeder Wehe vorrutschte und dann wieder zurückflutschte, wurde ich irgendwie, gegen meinen Willen auf den Rücken bugsiert. Die Ärztin verkündete: „Bei der nächsten Wehe helfe ich dann mal mit!“ Und das tat sie. Sie drückte mit ihrem ganzen Gewicht auf meinen Bauch. Es tat weh und ich schrie. Die Hebamme im Kreissaal meinte, ich solle bei der nächsten Wehe nicht so schreien, das würde zu viel Energie verschwenden, die dann beim Pressen fehlte. Sie hatte offensichtlich noch nie ein Kind geboren. Bei der nächsten Presswehe wollte die Ärztin wieder mithelfen. Cristobal gab ihr aber zu verstehen, dass das nicht in Ordnung sei. Wieder flutschte das Kind vor und wieder zurück. Ich hörte die Ärztin sagen, dass sie den Oberarzt rufen wollten, damit er mit der Saugglocke dazu käme. Das wollte ich auf gar keinen Fall. Bei der nächsten Presswehe gab ich alles. Und tatsächlich! Der Kopf war da. Die Hebamme fragte mich, ob ich ihn anfassen wollte. Erschöpft sagte ich nein, aber sie hörte mich nicht, nahm meine Hand und legte sie auf den Kopf zwischen meinen Beinen. Das fand ich wirklich sehr unangenehm. Ich weiß nicht warum, aber es war ein gruseliges Gefühl. Noch zwei weitere Presswehen folgten, ehe das kleine Menschlein komplett heraus kam um 2:44 Uhr am Sonntag. Sofort wurde er mir auf die Brust gelegt. Ich hätte gerne einmal kurz durchgeatmtet und ihn mir dann selbst genommen. Aber egal, ich war so erschöpft und froh es geschafft zu haben. Da war das jetzt auch egal.  Es war einfach alles so schnell gegangen. Nicht einmal drei Stunden hatte es gedauert. Ich schaute mir unseren Sohn an. Er war winzig klein und sah aus wie Cristobal. In meiner Vorstellung war ich in diesem Moment immer emotional tief berührt. In der Realität fühlte ich mich einfach nur fertig. Cristobal weinte. Ich sagte nur ein paar merkwürdige Sätze: „Das war das krasseste, was ich je gemacht habe“; „Ich bin gar nicht gerissen!“ (Ich bin heftig gerissen); „Draußen hat es gefroren, das hab ich gesehen, als ich verlegt wurde.“ Die Hebamme fragte, ob wir am Morgen nach Hause wollten. Darüber waren wir sehr froh, denn wir dachten, dass wir vielleicht noch zu Männleins Sicherheit ein paar Tage bleiben müssten.

Ich habe sehr lange mit diesem Geburtserlebnis gehadert. Irgendwie ist alles so gelaufen, wie ich es nicht wollte. Im Nachgespräch mit meiner Hebamme erfuhr ich allerdings, dass wir fast einen Notkaiserschnitt gebraucht hätten. Danach war ich froh, dass es dann doch ohne ging.  Und auch wenn alles anders lief als geplant, so war es doch der Geburtstag meines  Sohnes und somit auf jeden Fall ein wunderbarer Tag. Was wir machen, wenn ich wieder schwanger bin? Ich wünsche mir eine heilsame Hausgeburt, die mich mit Männleins Geburt versöhnt. Wer weiß, ob es dann klappt. Aber ich weiß jetzt: Egal wie es dann sein wird, es wird der richtige Weg für das Kind sein und ich habe es ja schon einmal geschafft.

Mein Kaiserschnitt. Meine Narbe | Mein Gefühl versagt zu haben!

Das Dickicht der Erziehungsmethoden

Ich bin ein Mensch der sich gerne beliest. Immer dann, wenn mich ein Thema mehr beschäftigt, lese ich in einem Buch nach oder schaue, was ich im Internet dazu finde. Als ich meinen Hund bekommen habe, habe ich mir Bücher über Hundeerziehung und Hundefrisbee besorgt. Als ich schwanger war, habe ich im Internet verfolgt, was sich in den jeweiligen Schwangerschaftswochen tut und wie eine selbstbestimmte Geburt aussehen kann. Nun ist mein Thema Erziehung. Welche Erziehung passt zu uns? Ich möchte die Sache natürlich nicht total theoretisch angehen, eigentlich vertraue ich sehr auf mein Bauchgefühl. Aber ich finde, so ein bisschen Input hat noch nie geschadet und manchmal bekommt man Gedanken, die man sonst nicht hätte.

Wenn man sich über verschiedene Erziehungsmethoden informiert, stolpert man über diverse Namen und Ansätze. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Nora Imlau, Jesper Juul, Montessori, Sears, Bedürfnisorientiert, Unerzogen, nächtliches Abstillen nach Gordon und so weiter und so fort. Bei allem was ich gelesen habe, gab es immer etwas das ich annehmen konnte und dann wieder etwas das mir zu weit ging. Natürlich orientiert man sich bei der Erziehung auch an dem, was man selber erlebt hat. Entweder man fand die Erziehung gut und will es genauso machen oder man fand es schrecklich und versucht sich am Gegenteil. Ich bin zum Beispiel mit sehr viel Vertrauen groß geworden. Ich weiß noch, dass ich, bis ich etwa 12 war, überzegeugt war, wenn ich nur mit meinen Eltern zusammen bin, dann kann mir nichts passieren. Das finde ich sehr schön und ist ein Gefühl, dass ich sehr gerne an meine Kinder vermitteln möchte. Ich erinnere mich aber auch an eine andere Situation. Ich muss etwa vier Jahre alt gewesen sein. Da hat mein großer Bruder mich geärgert und ich bin wütend geworden. Die Wut wurde so groß, dass ich ihn in den Hintern gebissen habe. Zur Strafe wurde ich in mein Zimmer gesteckt und niemand hat mich gefragt, warum ich das überhaupt gemacht habe. Das empfand ich als sehr ungerecht und ist etwas, was ich auf jeden Fall anders machen möchte. Kinder in dem Alter ticken anders als Erwachsene. So eine Gewaltaktion wie beißen scheint eine Überreaktion auf ein bisschen Ärgern zu sein. Aber für ein kleines Kind, dass sich noch nicht anders ausdrücken kann, ist es vielleicht der einzige Weg. Natürlich muss man dem Kind dann trotzdem erklären, dass es absolut nicht in Ordnung ist, zu beißen, aber man sollte sich erst anhören, was dazu geführt hat.

Generell bin ich gegen Bestarfungen in der Erziehung. In der Umkehrung bin ich aber auch gegen Lob. Ich finde logische Konsequenzen eine gute Lernstrategie für Kinder (auch für Erwachsene). Mache ich etwas Gutes wie z.B. beim Aufräum helfen, ist hinterher alles schön und man hat wieder Platz zum Spielen. Mache ich etwas Schlechtes wie z.B. mit Absicht etwas kaputt, muss ich es aufräumen, mich entschuldigen und es eventuell von meinem Taschengeld neu kaufen. Um mit logischen Konsequenzen arbeiten zu können, finde ich es notwendig, dass Kinder sich ausprobieren können. Da greifen übrigens Montessori und vielleicht auch ein bisschen Unerzogen als Erziehungsmethoden.

An Montessori gefällt mir, dass die Kinder befähigt werden, alles selbst zu tun. Ich möchte das für uns zu Hause so umsetzen, dass wir einen kleinen Waschtisch für Männlein im Bad einrichten und einen Lernturm für die Küche besorgen. Das sind zwei Bereiche, in denen er schon jetzt deutliches Interesse bekundet mitzumachen, wo es aber einfach durch die Einrichtung nicht möglich ist. Durch den Lernturm kann er dann sehen, was ich da auf der Arbeitsplatte so anstelle und später, wenn er etwas älter ist, auch kleine Hilfestellungen geben.

Unerzogen ist ein bisschen lustig wie ich finde und für mich nur teilweise umsetzbar. Unerzogen zielt darauf ab, den Kindern in allen Bereichen eigene Erfahrungen zu ermöglichen und sie dann daraus ihre eigenen Schlüsse ziehen zu lassen.  Als Beispiele, wie weit ich das treiben würde: Ich würde mein Kind im Schlafanzug in den Kindergarten bringen, wenn es sich weigert, sich morgens umzuziehen. Aber ich würde nicht mein Kind bei Minustemperaturen ohne Jacke und Schuhe draußen herumlaufen lassen, nur weil es sich das in den Kopf gesetzt hat. Da würde ich doch lieber in die Auseinandersetzung gehen, denn ich habe meinem Kind einiges an Lebensjahren und Wissen voraus und ich muss es nicht krank werden lassen, nur weil ich ihm eigene Erfahrungen ermöglichen will.

Ich beschäftige mich gerne mit den verschiedenen Ansätzen, kann mich aber nicht definitv für einen entscheiden. Bis jetzt ist unsere Erziehung eine Mischung aus mehreren gepaart mit ganz viel Bauchgefühl. Trotzdem kann ich allen Leuten, die grundsätzlich sagen: „Ich erziehe wie es mir in den Kopf kommt, dafür brauche ich kein Buch!“, empfehlen das ein oder andere vielleicht doch mal nachzulesen, denn es tut nicht weh und irgendetwas lernt man immer dabei.

Nein!

Männlein hat ein neues Wort gelernt. Nicht nur gelernt es auszusprechen. Er hat es sogar im vollen Umfang erfasst. Das Wort heißt Nein!

Ich finde das Wort blöd und hatte eigentlich versucht es nicht zu häufig zu benutzen. Irgendwie fand ich die Vorstellung von „Nein“ als eines der ersten Worte in Männleins Sprachschatz ungut. Ich finde „Nein“ bedeutet Grenzen und Verbote überall und das, obwohl ich doch der Meinung bin, Kinder sollen alles ausprobieren.

Um das „Nein“ zu vermeiden, haben wir zu Hause alles Kindgerecht eingerichtet. Es gibt einfach nichts in Männleins Reichweite, dass irgendwie gefährlich oder verboten ist. Außer es schleicht sich mal etwas in die untere Ebene und taucht dann plötzlich in seinen Händen auf( siehe http://mamawege.de/2018/06/02/willkommen-in-der-neuen-ordnung/).Ansonsten kann er schalten und walten, wie er will.

Unser Gefahrenausdruck war „Ohoh“. Das nutzten wir immer, wenn Männlein sich in brenzlige Situationen begab. Es hatte auch den schönen Nebeneffekt, dass Männlein sein Vorhaben damit ankündigte. So konnte man z.B. ziemlich häufig beobachten, wie er „Ohoh!“ sagte und dann seinen Finger in die Steckdose stecken wollte. Es lohnte sich also in solch einem Falle immer zu gucken, was er grad so trieb.

Wie kam es nun also zu dem blöden Wort „Nein“? Männlein hatte plötzlich einen Spaß daraus entwickelt, mich zu beißen. Ihn interessierte und amüsierte dabei wohl meine Reaktion. Beim ersten Mal schrie ich vor Schreck und ja auch vor Schmerz auf. Das fand er super lustig und es veranlasste ihn, es gleich noch einmal auszuprobieren. In der Hoffnung meine Reaktion weniger „witzig“ zu gestalten, überlegte ich mir eine Strategie.

Immer wenn Männlein mich biss oder es versuchte, wollte ich ihn wegschieben, ihn ernst anschauen und dann sagen: „Ich möchte nicht, dass du mich beißt. Das tut mir weh!“ Merkwürdigerweise fand Männlein das ebenfalls saulustig. Schade! Mir ist schon klar, dass er das noch nicht wirklich versteht. Aber ich hatte die Hoffnung, dass er meine Ernsthaftigkeit an der Stelle auf irgendeine Art trotzdem erfasst. Naja, auf jeden Fall musste ich meine Strategie wechseln, denn gebissen werden ist wirklich kein Spaß.

Ich begann also in solchen Situationen mich einfach etwas von Männlein zu entfernen. Spielten wir gerade auf dem Boden und er versuchte mich zu beißen, stand ich auf und ging weg. Manchmal wenn er besonders albern war, versuchte er dann hinter mir her zu rennen und weiter zu beißen, dann lenkte ich ihn ab, indem ich z.B. mit ihm ein Versteckspiel anleierte. Alles in Allem funktionierte es so ganz gut.

Aber wie kam es denn nun zu dem „Nein“? Eines morgens spielte das Männlein im Bad, während ich mir die Haare bürstete. Und da biss mich jemand aus heiterem Himmel und ohne Vorwarnung in den Unterschenkel. Wie von der Tarantel gestochen schrie ich aus: „Oh Mann, nein!“ Und das war´s. Von dem Moment an war „Nein“ das Wort überhaupt.

Sitzt er auf dem Bobbycar und wir wollen eigentlich zum Einkaufen fahren: „Nein!“

Hat er im Laden eine Banane in die Finger bekommen und ich will sie wegnehmen, bevor überall Bananenschmiere ist: „Nein!“

Wollen wir spazierengehen und Männlein möchte einfach nicht vom Holzschuppen weg:“Nein!“

Will Männlein mich nun beißen, klingt das inzwischen auch anders.

Ich: „Nein!“

Männlein: „Nein?“

Ich: „Nein!“

Männlein beisst zu…

Bitte nicht vergleichen!

Seit meinem Rückbildungskurs treffen wir uns regelmäßig mit ein paar anderen Müttern und ihren Kindern. Die Kleinen sind alle innerhalb von fünf Wochen geboren worden. Natürlch stellen wir bei unseren Begegnungen fest, dass unsere Kinder sehr unterschiedlich sind, in dem was sie bereits erlernt haben. Wir tun das ohne Bewertung, denn uns ist allen bewusst, dass jedes Kind sein eigenes Tempo bei der Entwicklung hat und sich je nach Temperament auch anders entwickelt.

Männlein ist z.B. ein kleiner Motoriker, der schon mit sechs Monaten krabbeln und mit elf Monaten laufen konnte. Ein anderer kleiner Junge kann schon richtig viele Wörter sprechen und ist auch motorisch sehr fit. Ein kleines Mädchen wirkt so, als ob es schon viel mehr versteht als die anderen und kann schon die runden Bauklötze in das runde Loch stecken und die eckigen in das eckige. Und der letzte im Bunde ist so ein kleiner Buddha, der sich ewig nicht viel bewegt hat und dann eines Tages einfach losgelaufen ist. Er hat einfach alles ganz genau beobachtet und dadurch gelernt.

Was ich sagen möchte ist, dass auch so kleine Kinder genau wie große sehr unterschiedlich sind. Jeder hat seine Spezialbereiche und jeder lernt alles, nur eben im eigenen Tempo.

Was aber sowohl ich als auch meine Mamafreundinnen kennen, sind die anderen Begegnungen. Ich glaube alle Eltern erleben so etwas. Man ist auf einem Spielplatz oder sonst irgendwo und da sind andere Eltern oder Großeltern oder Leute, die irgendetwas mit irgendeinem Kind zu tun haben. Und dann kommen sie, die Vergleiche. Gerne machen das Eltern, deren Kinder etwas schon besonderes früh konnten. Ich gebe zu, mich hat es auch mit Stolz erfüllt, dass das Männlein so ein Beweungskünstler ist. Aber ich bin mir sicher, wenn es nicht so gewesen wäre, wäre ich auf etwas anderes stolz gewesen. Das ist ja schließlich der Job einer Mutter.

Mein wunder Punkt ist immer die Größe und das Gewicht vom Männlein. Inzwischen ist er „normal groß“, aber er ist so ein zarter, dünner Kerl, dass er häufig für ein Mädchen gehalten wird. Ich bin ebenfalls dünn und war es schon als Kind, daher habe ich mir zunächst nicht sehr viele Gedanken dazu gemacht. Wenn aber nun wild fremde Leute mir mitteilen, mein Kind könne ja noch gar nicht das angegebene Alter haben oder indirekt vorwerfen, mein Kind bekäme nicht genug zu essen, dann fühlt sich das schon blöd an. Dieses ewige sich rechtfertigen müssen, für etwas naturgegebenes.

Eine Mamafreundin erzählte, ihre Schwägerin hätte ihr geraten, jeden Tag eine halbe Stunde mit der 15 Monate alten Tochter laufen zu üben, damit das endlich etwas wird. Dabei läuft die Kleine schon sauber an den Möbeln entlang. Es könnte also jeden Tag von ganz alleine Klick machen und sie läuft frei.

Eine andere berichtete, sie hätte zu hören bekommen, es wäre furchtbar, wie ihr Kind isst und dass es nun wirklich Zeit sei, dass es den Umgang mit Löffel und Gabel erlerne. Diese Äußerung kam übrigens nicht von einer alten Frau! Was soll man dazu sagen? Männlein interessiert sich sehr für Besteck, vor allem zum Spielen. Gibt es Essen, lege ich ihm immer Löffel oder Gabel hin, dann probiert er damit herum und manchmal gelingt es (in so einem Fall gibt es eine Applausparty), meist isst er einfach mit den Fingern. Und das ist völlig ok! Hauptsache er isst.

Sogar das Töpfchenthema kam schon auf… Eine Freundin sagte, sie sei tatsächlich gefragt worden, warum sie noch nicht mit dem Töpfchentraining begonnen habe. Ich habe noch nicht einmal darüber nachgedacht. Wir haben ein Töpfchen auf dem Flohmarkt gekauft und das steht im Badezimmer herum. Wann es so weit ist, dass wir mit dem Training beginnen? Keine Ahnung! Ich muss mich da eh erst einmal schlau machen, wie man da vorgeht, aber vom Bauch her würde ich sagen: Auf jeden Fall ohne Druck…

Was mir jedenfalls nach solchen vergleichenden Begegnungen immer kommt, ist ein unangehmer Nachgeschmack und deshalb versuche ich sie zu vermeiden oder aber freundlich und bestimmt zu bleiben. Mein Kind macht das schon noch! Und zwar dann, wenn es so weit ist. Da kann ich drauf vertrauen und das sollten wirklich alle Eltern tun.